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 Zauberreich
Linoma Offline




Beiträge: 1.500

23.04.2010 14:57
RE: Richtungen der Magie antworten

Magie

Magie: Versuch einer Typologie


1 Okkultistische Magie: Die okkultistische Magie rechnet mit der Existenz und Manipulationsfähigkeit ausserhalb des Menschen stehender, für die Naturwissenschaft verborgener ("occultus") Kräfte, und lässt sich nach der Beschaffenheit dieser Kräfte einteilen in:

1.1 Spiritistische Magie: Die spiritistische Magie stellt sich die magisch wirksamen Mächte als mehr oder minder personale Geistwesen vor, die durch Rituale angerufen, zu Handlungen im Interesse der magisch tätigen Person gezwungen oder überredet und auch gebannt werden können. Die spiritistische Magie stellt die ursprüngliche Form der westlichen Magie dar und wird auch heute noch der verbreitetste Ansatz sein.

1.2 Dynamistische Magie: Diese spricht den magisch wirksamen Kräften keine Personalität zu, sondern redet von "höheren Energien" u. ä. Historisch gesehen ist die dynamistische Magie ein Kind des 19. Jahrhunderts und knüpft an die damaligen Lebenskraft-Spekulationen an. Herausragenster Vertreter eines dynamistischen Magiemodells ist Eliphas Levi.

1.3 Animistische Magie: Die animistische Magie verortet das magisch wirksame Agens in der Psyche der magisch tätigen Person, bevorzugt in ihrem Unbewussten, rechnet aber - nach Vorgaben der älteren Parapsychologie - mit einer Wirksamkeit dieser unbewussten magischen Kraft über die Psyche des Magiers hinaus. So wird die Beeinflussung anderer Menschen und auch materieller Sachverhalte als durchaus möglich gesehen. Hauptvertreterin einer animistischen Magie ist die sog. atavistische Sigillenmagie Austin Osman Spares, welche manche moderne Magieformen wie die Chaosmagie und die Pragmatische Magie Ralph Tegtmeiers stark beeinflusst hat.

2 Rationalistische Magie: Rationalistisch zu nennende Verwendungen magischer Rituale rechnen nicht mit einer Wirksamkeit okkulter Kräfte. Drei Formen kommen vor:

2.1 Psychologistische Magie: Psychologisierende Verwendungen magischer Rituale sehen diese als Vehikel zur Selbsterkenntnis und/oder zur seelischen Reifung. Stark in diese Richtung tendiert z.B. die Magieauffassung Akrons.

2.2 Symbolische Magie: Magische Rituale dienen als Symbole für anderes, so in LaVeys Church of Satan als Verdeutlichung von deren Protest gegen christliche und humanistische Moralvorstellungen.

2.3 Aesthetische Magie: Manche Subkulturen, z.B. die Gothic-Szene, setzen magische Rituale und Objekte als Lifestyle-Elemente ein.

Schulen der Magie

1. Traditionelle westliche Magie, sog. "salomonische" (oder "mosaische") Magie
Die traditionelle westliche Magie findet sich bereits in den hellenistischen Zauberpapyri aus Aegypten belegt. Deren weltanschaulicher Hintergrund ist ein Synkretismus aus griechischen, traditionell-ägyptischen und jüdischen Vorstellungen. Vertreten wird eine spiritistische Magie, Geister können beschworen und zu Handlungen im Interesse des Magiers gezwungen werden. Anleitungen zur Anfertigung von Amuletten und Rezepturen machen den Kanon der traditionellen westlichen Magie schon auf dieser frühen Stufe vollständig.
Führen schon manche Zauberpapyri ihre Kenntnisse auf Moses zurück, so wird Pseudonymie für die traditionelle Magie des Westens später unverzichtbar: Bis ins 19. Jahrhundert hinein werden Zauberbücher (sog. Grimoarien) den Protagonisten des Alten Testaments zugeschrieben, die als magisch gebildet gedacht werden: Salomo, Moses, Henoch.

2. sog. höhere oder hohe Magie
Die von ihren Vertretern "höher" genannte Richtung der westlichen Magie unterscheidet sich von der als "niederer" wahrgenommenen Variante weniger in der Vorstellungswelt, als vielmehr im Ziel. Dem höheren Magier ist es weniger um konkreten Nutzen im Hier und Jetzt zu tun, er sieht die Magie vielmehr als Methode der Selbst-, Welt- und vor allem Gotteserkenntnis. Vertreter der höheren Magie greifen gerne auf die jüdische Kabbalah-Mystik zurück. Eine enge Beziehung besteht ferner zur Alchemie in ebenfalls "höherem" Verständnis.

3. Henochische Magie
Die henochische Magiegeht auf den Hofmagier Elizabeths I., John Dee (1527-1608), und dessen Medium Edward Kelley zurück und repräsentiert ein gegenüber der traditionellen westlichen Magie recht eigenständiges System, da sie nicht aus der Tradition heraus weiterentwickelt, sondern durch spiritistisches Channeling gewonnen wurde. Im Zentrum stehen die Enochian Calls, die in einer eigenen, in sich konsistenten Sprache gehalten sind. Daneben empfing Kelley eine Unzahl von Tabellen und Symbolen, deren rechte Anwendung allerdings unklar bleibt und deshalb bis heute ein Anlass unzähliger Spekulationen bildet. Diese Unvollständigkeit der Henochischen Magie macht sie gegenwärtig zum idealen Projektionsobjekt eigener Ideen.

4. Ritualistische oder "klassische westliche" Magie
Im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert nahmen es verschiedene Autoren und Orden, nebst Eliphas Levi (Alphonse-Louis Constant, 1810-1875) zuvorderst der "Golden Dawn", an die Hand, die verstreuten und disparaten Ritualanweisungen der traditionellen westlichen Magie in ein schlüssiges Ritualsystem zu giessen. Das Resultat war eine gewissermassen "klassische" westliche Magie, an welcher moderne Magie-Entwürfe nicht vorbeikommen.

5. Thelemismus
Für Aleister Crowley (1875-1947), den wirkmächtigsten Okkultisten des 20. Jahrhunderts, wurde der Begriff des "Willens" zentral, den er im Anschluss an Willensphilosophien eines Schopenhauer oder Nietzsche (aber ohne Referenz an diese) formulierte. Magie dient der Erkenntnis des "wahren Willens" ("Thelema") des Menschen, der zwar nicht mit seinen momentanen Interessen, aber mit dem Grundwillen des Seins in Uebereinstimmung steht. Diese Uebereinstimmung ermöglicht den Erfolg des magischen Rituals. In seiner späten Phase kehrt Crowley zu einem spiritistischen Verständnis der Magie zurück, indem er sein "Liber AL vel Legis" als Offenbarung einer göttlichen Wesenheit namens "Aiwass" wahrnimmt und sich selbst zum Weltenheiland deklariert sehen möchte.

6. Atavistische Magie
Austin Osman Spare (1886-1956) versucht, die Wirkung der Magie mit der zeitgenössischen Psychologie Sigmund Freuds zu erklären. Magische Rituale wirken aufs Unterbewusstsein und entfalten dort durch Verdrängung die Kraft ihrer Erfüllung - die allerdings weit über den Bereich der eigenen Psyche hinausreicht. Wichtig wird hierbei die Unbewusstheit der magischen Operation, sie muss alsbald nach ihrer Durchführung vergessen werden (z.B. durch bannendes Lachen). Umgesetzt werden Spares Ideen v.a. in der Sigillenmagie: Wünsche werden in Sigillen gefasst und ins Unterbewusstsein "geladen", wo sie ihre Wirkung entfalten.

7. Chaosmagie
Die Chaosmagie des Engländers Pete Carroll verzichtet auf Vorstellungen einer Geordnetheit des Seins und einer Konsistenz der menschlichen Psyche. Alles ist im Fluss und chaotisch, magische Wirkungen sind so jederzeit möglich. Weltanschauliche Ansätze werden über diesen Grundsatz hinaus quasi funktional eingesetzt, geglaubt wird, was dem Zweck dienlich ist. Typisch für die Chaosmagie ist eine starke Neigung zur Ironie, die aber der Ernsthaftigkeit der magischen Bemühung nicht abträglich ist, sowie eine recht freie Gestaltung der Rituale. Die Chaosmagie erfreute sich insbesondere in den Achtzigerjahren des 20. Jahrhunderts grosser Beliebtheit.

8. Pragmatische Magie
Die pragmatische Magie, vertreten v.a. durch den Magie-Autoren Ralph Tegtmeier alias Frater V.D. (*1952), lässt die Frage der Begründung der Wirksamkeit magischer Rituale weitgehend offen. Funktionalität wird zum Kriterium der Gestaltung magischen Handelns.

9. Hexenmagie (und neuheidnische Magie)
Die heute zahlenmässig zweifellos am weitesten verbreitete Variante der Magie beruht direkt oder indirekt auf den Vorstellungen der Wicca-Bewegung (Begründer: Gerald Gardner 1884-1964), die fürs moderne Neuhexentum prägend wurde. Vertreten wird eine spiritistische Form der Magie, wobei die magisch wirksamen Wesenheiten anhand romantisierender Vorstellungen über die vorchristlichen Religionen Europas gefasst werden. Mit diesem Grundmodell und der Betonung magischer Rezepturen knüpft die Hexenmagie direkt an die traditionelle westliche Magie an. Die neueren Entwicklungen der Magie werden übergangen.
In neuheidnischen Gemeinschaften werden die magischen Ansätze der Wicca-Bewegung gerne den jeweiligen Vorstellungen (Gottheiten, Symbole, Schriftzeichen) angepasst.

10. Sexualmagie
Sexualmagische Rituale stellen weniger eine eigene Schule der Magie dar, sondern können als sog. "sexualmagische Arbeit" zu den oben genannten Schulen dazutreten. Prägend für sexualmagische Arbeit sind Ideen des linkshändigen Tantra.

11. Afroamerikanische Magie
Rituale aus den afroamerikanischen Religionen erfreuen sich im Westen zunehmender Beliebtheit, ein Austausch zwischen westlicher und afroamerikanischer Magie findet aber bis heute nicht statt. Neben der kulturellen Schranke spielt hierbei die Betonung der Volltrance in der afroamerikanischen Magie eine Rolle.

Georg Otto Schmid, 2001
Letzte Aenderung 2001, © gos 2001, Infostelle 2000
http://www.relinfo.ch/magie/schulen.html

Die Wahrheit wiegt meistens schwer.

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