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 Anderswelt
Linoma Offline




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24.04.2010 21:40
RE: Elfenmärchen antworten

Der Elf im Quarz

Tief im Zauberwald, dort wo sich der Berg Weissfels erhebt, befindet sich eine große Lichtung, die vom Frühjahr bis zum Spätherbst voller schöner Blumen ist. Das ist das Reich der Blumenelfen. Sie leben vom Nektar der Blüten und die Winter verschlafen sie in einem Eichhörnchenkobel. Wenn die Sonne im Frühjahr so hoch am Himmel steht, dass sie in den Kobel scheint, kitzelt sie mit ihren Strahlen die Elfen wach. Mit dem Erwachen der Elfen erscheinen die Frühjahrsblumen auf der Lichtung.
Blumenelfen kümmern sich um das Wohl der Pflanzen und haben deshalb ständig zu tun. Weil die Arbeit schön ist, sind sie dabei lustig und singen.

Vor langer Zeit, als die Blumenelfenkönigin Rosa Grandiflora noch eine Prinzessin war, die Rosa genannt wurde, bewarben sich viele Prinzen aus den Elfengeschlechtern, um sie zu freien. Auch der Schwarzelfenkönig Schlagstark der Zweite, der im Berg Weissfels lebte, war darunter. Aber den wollte Prinzessin Rosa nicht, weil er ein grobes Benehmen hatte und tief im Berg lebte, wo kein Strahl Sonne je gesehen wurde. Dort zu leben war für Rosa eine ganz furchtbare Vorstellung und deshalb wies sie die Werbung des Schwarzelfenkönigs schroff zurück.
Rosa entschied sich für den Vogelelfenprinz Zirzalp, der ein braunes Gefiederkleid trug. Sie waren sehr verliebt ineinander und Rosa, die durch die Hochzeit zur Königin wurde, bekam den Beinamen Grandiflora. Bei der Hochzeit fielen große weiße Steine vom Weissfels auf die Lichtung und zerstörten Blumen und Pflanzen, viele Tage lang. Aber der größte Kummer im Elfenreich war, dass einige Elfen verschwanden. Alle waren überzeugt, dass sie von Schlagstark dem II. gefangen gehalten wurden. Der Große Elfenrat beschloss, den gefiederten Prinz Tormentill, Bruder der Königin, als Kundschafter auszusenden, um nach den Elfen zu suchen. Traurig verabschiedete sich die Blumenelfenkönigin von ihrem geliebten Bruder, den sie Tommi nannte. Er riss sich zwei weiße Federn aus seiner Brust, genau von der Stelle, an der sich sein Herz befand. Eine der Federn steckte er seiner Schwester in das schöne Elfenhaar und die andere Feder war für den kleinen Elfenprinz, den die Königin erwartete. Der kleine Elf sollte sie an seinem 13. Geburtstag bekommen, falls Tormentill bis dahin nicht zurück wäre. Diese Federn würde helfen, die Verbindung miteinander zu halten, weil die Macht der Liebe unendlich ist, sie zu spüren bedarf es nur der Erinnerung. Dann flog Prinz Tormentill hoch in die Luft und bald konnten die Blumenelfen ihn nicht mehr sehen.

Das Jahr verging, aber Prinz Tormentill kehrte nicht wieder. Weil aber keine neuen Steine mehr vom Weissfels herunterfielen, zog bald wieder das normale Leben im Elfenreich ein, nur die Königin und ihr Gatte Zirzalp blieben traurig. Aber bald kam zur Trauer auch wieder Freude in ihr Leben, denn Mitten im Sommer, als das Gänsefingerkraut blühte, wurde der kleine Elf geboren. Er erhielt den Namen Potentill, aber die Elfen riefen ihn nur Till. Till trug eine Jacke aus Vogelfedern wie sein Vater und sein Onkel sie trugen. Er hatte die Flügel eines Zitronenfalters auf dem Rücken, die in der Sonne gelb leuchteten. An seinen Händen waren je sechs grüne Fingerchen, mit denen er wunderschön die Flöte spielen konnte.
Eines Tages, es war Tills 13. Geburtstag, sah er, dass seine Mutter sehr traurig war. In den Händen hielt sie ein hübsches grünes Hütchen mit einer weißen Feder. Das war das Geburtstagsgeschenk für Till und unter Tränen erzählten ihm die Eltern von Prinz Tormentill, der auszog das Elfenreich zu retten und nicht wiederkehrte. Till sagte, sei es wie es sei, er muss losziehen, um herauszubekommen, was mit Onkel Tommi geschehen ist und setzte sein neues Hütchen auf. Da hörte er wie ein Vogel auf der Fichte ein Lied sang:

die Feder zeigt die Richtung
verlass nun die Lichtung
Beim König der Zwerge
tief unten im Berge
fest im Kristalle bin ich

Morgenröte die Zwergin
Gold und helles Singen
Lässt Kristall zerspringen
die Feder fliegt weiter
wird dein Begleiter
zur Hochzeit der Zwerge
im weißen Berge

Er verabschiedete sich von seinen Eltern, die ihre Tränen nicht zurückhalten konnten. Ohne lange zu überlegen, griff Till die weiße Feder und hielt sie in den Wind. Langsam flog sie in den Zauberwald. Es kam ihm so vor, als würde die Feder manchmal auf ihn warten und erst weiterfliegen, wenn er herangekommen war. Als sie an einem See ankamen, senkte sich die Feder plötzlich und Till landete auf einem Baumstamm. Da hörte er ein fröhliches Kichern. Er sah sich um und bemerkte auf einer gelben Seerose eine Elfe, die nur an ihren Libellenflügeln von den Schmetterlingsfügel tragenden Elfen seines Tales zu unterscheiden war. „Hallo Prinz Potentill, was führt dich in mein Uferreich, möchtest du deine Verwandten besuchen?“
Till freute sich sehr, endlich seine Tante Seerose, die Königin des Seeufers kennen zu lernen. Schnell war er von vielen Uferelfen umringt, die alle auf ihn einredeten und nach den Elfen von der Blumenlichtung fragten. Da hatte Till viel zu erzählen und als er endete, waren die Elfen sehr still geworden und überlegten, wie da zu helfen sei. Königin Seerose erinnerte sich, einmal von einer Taube gehört zu haben, dass hinter dem Zauberwald eine Zwergin im letzten Haus des Dorfes wohnt, die jeden Morgen mit einem wunderschönen Lied die Morgensonne begrüßt, um dann ins Bett zu gehen. Zwerge meiden das Tageslicht, erledigen ihre Besorgungen in der Nacht und verschlafen den lieben langen Tag. Aber Morgenröte liebte es, morgens der Sonne zuzusehen, wie sie aufgeht, so wie viele Elfen sich am Anblick des aufgehenden Mondes erfreuen um dann schlafen zu gehen.

Ein bunter Erpel, der in der Nähe war und alles mit angehört hatte, kam angeschwommen und sagte: “Setz dich auf meinen Rücken Prinz Potentill, ich bringe Dich hinüber. Bald wird die Sonne aufgehen, das schaffst Du mit deinen kleinen Flügeln nicht.“ Schnell verabschiedete sich Till von den Uferelfen und flog auf dem Rücken des Erpels über den Zauberwald bis zu einem kleinen Dorf. Als sie das letzte Haus überflogen hatten, setzte der Erpel zur Landung an. „Jetzt pass auf“ flüsterte er „gleich geht die Sonne auf“. Till blickte über die Felder hinüber zum See und tatsächlich, ein heller Schein erhob sich über dem Wasser und langsam stieg die rote Sonne am Himmel auf. Es war nicht zu sagen, was schöner war, der Anblick der Sonne oder der wunderschöne Gesang, den Till hörte. Als er die Melodie verstand, griff er zu seiner Flöte und begleitete die Stimme. Dabei sah er auf die aufgehende Sonne und Tränen der Rührung liefen ihm über das Gesicht. Der Gesang endete, als die Sonne ihre rote Farbe gegen ein helles Gelb tauschte. „Vielen Dank, das war sehr schön“, Till drehte sich um und sah eine Zwergin mit blonden Zöpfen. Auf dem Kopf trug sie eine rote Mütze und über ihrem blauen Kleid eine weiße Schürze. Sie hatte runde rote Wangen, eine stupsige Nase und in ihren Augen glitzerte es lustig. Till stellte sich vor und als er hörte, dass er mit Morgenröte sprach, erzählte er ihr die Geschichte, wie er sie kannte.

„Ich glaube dir, was euch Weißelfen geschehen ist“ sprach Morgenröte, „aber ich glaube nicht, dass der Schwarzelfenkönig so hinterhältig ist. Da muss etwas anderes dahinter stecken. Deshalb komme ich mit Dir Prinz Potentill, die Ehre des Schwarzelfenvolkes zu retten.“ Till war schon von seiner Geschichte überzeugt, sah aber ein, dass es keinen Sinn hatte, jetzt mit der Zwergin zu streiten. Morgenröte umarmte den Erpel und dankte ihm, dass er den Elfenprinz zu ihr gebracht hatte. Sie sagte: „Mein Lieber, jetzt musst du aber schnell zu deinem See zurückfliegen, ich rufe gleich den Reinecke, er ist das klügste Tier des Waldes, aber es wäre dumm, dich mit ihm bekannt zu machen. Er liebt den Entenbraten zu sehr.“ Aufgeregt schnatternd verabschiedete sich der Erpel und flog davon. Die Zwergin legte zwei Finger an die Lippen, stieß einen grellen Pfiff aus und nach einiger Zeit kam der Fuchs angelaufen. Sie besprach sich mit dem Fuchs und der überlegte. „Ich glaube, die Bärin kann uns etwas darüber erzählen, wir müssen sie nur bei Laune halten.“ Er streckte seinen schönen roten Schwanz aus und sagte : „ Setzt euch und los geht es.“ Zwergin und Elf machten es sich auf dem prächtigen Schwanz bequem und ehe sie es versahen, standen sie vor einem alten Lindenbaum, in dem ein großes Bienenvolk lebte.

„ Wir müssen der Frau Petz ein Geschenk mitbringen“ sagte der Fuchs „ und was ist für einen Bären schöner als Honig? Morgenröte, Du singt und lenkst die Bienen ab und Du Elf, holst eine große Honigwabe aus dem Nest. Wir treffen uns dann hinten bei den drei Tannen.“
Während Till hoch in die Luft flog um nach dem Bienennest Ausschau zu halten rief der Fuchs die Bienen. “Hallo ihr fleißigen Summser, macht eine kleine Pause und erfreut Euch an dem Gesang der großen Künstlerin Morgenröte. Sie ist extra zu Euch gekommen, um euch für die fleißigen Blütenbesuche zu danken, die eine gute Ernte ergeben werden.“ „Das finden wir schön“, summte es im Lindenbaum, „endlich wird unsere Arbeit anerkannt, alle anderen wollen nur unseren Honig.“ Morgenröte wurde vor Scham ganz rot, es tat ihr leid, dass die Bienen beschwindelt wurden und sie begann schnell damit, ihr schönstes und längstes Lied zu singen. In der Zwischenzeit flog Till in das Bienennest und suchte nach einer großen Honigwabe. Mitten im Nest sah er eine riesiggroße Biene, das war die Bienenkönigin Imme Regina. Till dachte schon, dass sein letztes Stündlein geschlagen hätte, als sie ihn fragte, was er wolle. Er erzählte seine Geschichte und Königin Imme Regina summte. Da kamen aus dem hinteren Teil des Nestes einige Arbeitsbienen mit einer großen Honigwabe angeflogen und fragten, wo sie die hinbringen sollen. Die Königin sagte zu Till, dass es auch in ihrem Interesse ist, denjenigen zu fangen, der die Blumen zerstört und die Elfen entführt hat, den die Bienen brauchen die Blühpflanzen der Lichtung zum überleben. Sie gab ihm noch einen goldenen Bienenstachel, der, wenn die Zeit gekommen ist, eine Hilfe für ihn sein würde. Jetzt solle er aber wieder gehen, denn sie möchte noch von dem schönen Gesang etwas hören.
Froh flog Till mit den Arbeitsbienen zu den drei Tannen, dabei achtete er sehr darauf, dass sie keinen Honig verloren.

Als Morgenröte alle ihre Lieder gesungen hatte, klatschten die Bienen mit ihren Flügeln Beifall, riefen Bravo und bewarfen sie mit Blütenblättern.
Der Fuchs streckte seinen Schwanz aus und eh sie es sich versah, waren sie bei den drei Tannen angelangt, wo der Elf mit seiner Begleitung schon auf sie wartete.
„Das ist ja ein überraschender Verlauf unseres Vorhabens“ sagte der Fuchs „du musst eine sehr starke Magie in Dir haben“. „Ja“ summten die Bienen „er hat die magische Kraft der Ehrlichkeit und Freundschaft in sich“. Morgenröte seufzte erleichtert und sagte fröhlich „Ja, das stimmt.“ „Gut, gut“ maulte der Fuchs, „ich bin ja eigentlich auch lieber ehrlich, das mit meinen Schwindeleien wird viel zu übertrieben.“ Morgenröte kicherte und sagte dem Fuchs, er solle lieber aufhören, es glaube ihm ohnehin keiner. Und weiter sagte sie ihm, dass er trotzdem ein guter Freund sei. Da war es der Fuchs zufrieden und er begann, den anderen seine Strategie zu erklären.

Der Fuchs lief mit der Zwergin auf dem Schweif voran und der Elf in Begleitung der Bienen flog hinterher, bis sie vor einem grauen Fels standen,
in dem eine Höhle war. Die Bienen flogen vor den Höhleneingang und ließen einen großen Tropfen Honig auf die Erde fallen. Es dauerte nicht lange und eine große braune Bärin erschien im Höhleneingang. „Hmm, lecker Honig“ brummelte sie und begann den Tropfen auf zu lecken.
Reinecke Fuchs stellte sich vor sie und sagte, dass sie noch mehr bekommen könne, wenn sie ihm seine Frage beantwortet, was sie vor 13 Jahren aus ihrer Höhle im Berg Weissfels vertrieben hatte. Die Bärin erwiderte, dass das sehr traurig für sie war und sie deshalb nicht darüber reden wollte. Aber ihre Jungen sollten auch von dem gutem Honig bekommen und irgendwann muss sie ihnen die Geschichte ohnehin erzählen. Sie rief ihre zwei Jungen und alle setzen sich in einen Kreis. Die Bienen verteilten den Honig und setzen sich danach Potentill auf die Schultern, damit das Summen ihrer Flügel die ernste Stimmung nicht störte.
„Damals war ich noch ein kleines Bärenkind und lebte mit meinen Eltern in einer schönen Höhle am Rande des Berges Weissfels. Meine Eltern waren mit dem Zwergenkönig Schlagstark den II. befreundet und wir wurden manchmal von ihm besucht. Er brachte mir dann immer etwas mit, eine große Wurzel zum knabbern oder einen runden Stein zum spielen. Doch eines Tages erschien ein Eisdrache vor unserem Berg. Der Drache schlug mit seinem eisigen Schweif gegen der Berg, da brachen große Brocken des weißen Quarzes ab und flogen hoch durch die Luft. Von der anderen Seite des Berges kamen Blumenelfen herüber um sich zu beschweren. Aber das störte den Drachen nicht, er tippte die kleinen Elfen mit einer Kralle an und sie wurden bewegungsunfähig. Meine Eltern versuchten mit Hilfe des Zwergenvolkes unsere Höhle mit Steinen, Ästen und Holz zu verschließen, aber bevor sie fertig wurden, schlug der Eisdrache mit seinem starken Schwanz um sich und zerstörte das Bollwerk. Da blieb meinen Eltern nichts weiter übrig, als sich dem Kampf mit dem Eisdrachen zu stellen, damit Schlagstark der II. mich tief im Höhleninneren in Sicherheit bringen und die Zwerge die Höhle nochmals verschließen konnten. Mit seinem eisigen Atem hauchte der Eisdrache meine Eltern an und sie erstarrten zu Eis. Dann schlug er mit dem Schweif gegen die zu Eis Erstarrten und sie zersprangen in tausend Stücke. Alles schien verloren, da tauchte der Elfenprinz Tormentill auf und beriet sich mit dem Zwergenkönig. Die Zwerge des Berges hämmerten und schliffen an einem durchsichtigen Quarzstück, bis es eine flache, gebogene Form hatte und der Elfenprinz musste in der Zeit fliegend viele Steine durch die Höhlen transportieren, die eine Stunde nach links, die andere Stunde nach rechts und dabei sang er Lieder von Freundschaft, Liebe und Mut. Die Ameisen servierten ihm den süßesten Honig zum Abend als Dank dafür. Ich habe das Alles erst gar nicht verstanden, aber als der große Quarz fertig war, Prinz Tormentill ihn in die Hände nahm und mit ihm hoch in die Luft flog, wusste ich, dass es ein Krafttraining war. Prinz Tormentill flog höher und höher der Sonne entgegen und hielt sein Quarzstück so, dass die Sonnenstrahlen gebündelt auf den Eisdrachen trafen. Nach einiger Zeit war dem Drachen ein großes Loch in den Schwanz getaut und er wollte vor den Strahlen fliehen. Prinz Tormentill jedoch verfolgte ihn und je länger der Tag wurde, desto schneller schmolz der Drache unter den gebündelten Sonnenstrahlen. Als es Nachmittag war, blieb vom ihm nur ein kleiner Bach mitten im Zauberwald übrig. Der Zwergenkönig rief, dass Tormentill herunter kommen solle, damit ihn die Sonne nicht auch verbrenne, aber der Elfenprinz antwortete, er müsse erst die Bären und die Elfen erwecken. Er hielt den Quarz über die zerborstenen Eisstücken, die mal meine Eltern waren und aus den Eissplittern meines Vaters wurde ein Erdhummelvolk und aus den Eisstücken meiner Mutter ein Volk von Steinhummeln. Beide Hummelfamilien umschwirrten mich und verabschiedeten sich, dann flogen sie auf und davon. Der Zwergenkönig rief immer nach Tormentill, er solle herunterkommen, zuviel Sonne sei tödlich, aber der Prinz antwortete, dass er erst die Elfen erlösen muss. Es war nun schon später Nachmittag und die Sonne brannte nicht mehr mit voller Kraft. Der Prinz hielt den Lichtstrahl auf die zu Eis erstarrten Blumenelfen und nach und nach, begannen sie sich zu regen. Aber etwas war ganz erstaunlich, als wieder Leben in ihnen war, wurden sie zu Eidechsen und Salamander, die schnell ins Gras huschten. Es wurde Abend und die Sonne ging unter, da fiel Prinz Tormentill mit der Quarzscheibe vom Himmel herab, genau in den Drachenbach. Schnell liefen die Zwerge herbei um ihn zu retten, aber sooft sie auch ins Wasser griffen, sie konnten ihn nicht fassen, weil er von den heißen Sonnenstrahlen körperlos geworden ist. Sie schöpften mit dem Quarz das Abbild des Prinzens aus dem Bach und setzen eine andere Quarzscheibe fest darauf und brachten ihn in den Berg. Manchmal sah man den Prinzen, manchmal aber nur ein buntes Leuchten, wenn die Mondstrahlen auf den Quarz schienen. In solchen Nächten hörte man eine feine traurige Melodie und der Zwergenkönig saß vor dem Quarz und weinte um seinen Freund und Retter. Mir wurde das alles viel zu traurig und ich machte mich auf die Suche nach einem neuen Platz zum Leben, den ich hier bei den drei Tannen gefunden habe. Ab und an bekomme ich Besuch von einer Hummel, das freut mich dann sehr.“ Die Bärin wischte sich die Tränen aus den Augen, die ihr beim Erzählen gekommen waren und auch die Bärenkinder und der Elf weinten. Reinecke Fuchs, der so traurige Stimmungen überhaupt nicht mochte, erinnerte die jungen Bären an den Honig. Noch nie hatten sie so etwas Leckeres gefressen und schon bald tollten sie übermütig herum, bis es für sie Schlafenszeit war.

Am Abend sang Morgenröte und der Elf begleitete sie auf seiner Flöte. Traurig war die Musik und schön. Plötzlich war allen, die da noch im Kreise saßen bewusst, dass es so gut war, wie es ist und die Trauer einen Platz im Leben haben muss, damit das Schöne erkannt werden kann.
Am nächsten Morgen entschuldigte sich der Elfenprinz bei Morgenröte dafür, dass im Reich der Blumenelfen so schlecht über die Schwarzelfen gedacht wurde. Es tat ihm sehr leid und er würde alles dafür tun, dass Schlagstark der II. auch bei den Weißelfen den guten Ruf erhält, den er verdient. Die Zwergin umarmte den Elf und sagte:
„Wir haben unterschiedliche Lebensweisen, aber das macht uns nicht besser oder schlechter, nur anders. Lass uns aufbrechen und schauen, was wir für Deinen Onkel tun können.“
Die Bärin entschied sich, mit ihren Jungen die Elfengruppe zu begleiten, weil sie das Prinz Tormentill und auch Schlagstark dem II. schuldig sei. Der Fuchs streckte seinen Schwanz aus, der Elf mit den Bienen auf den Schultern und die Zwergin setzten sich und die Reise begann.
Nach einiger Zeit standen sie am Rande der Blumenlichtung und erfreuten sich an dem Anblick. Malve, Gänsefingerkraut, Blutwurz, Königskerze, Baldrian, Seifenkraut und Quendel standen noch in voller Blüte und ein würziger Duft lag über der Lichtung. Die Bienen konnten nicht mehr still sitzen bleiben und flogen von Blüte zu Blüte, die ihnen von Blumenelfen freudig entgegengehalten wurden. Bald fanden sich auch Blumenelfen ein, die Ankömmlinge zu begrüßen. Sie wurden feierlich zu einem Ebereschenbaum geleitet, in dem die Blumenelfenkönigin Rosa Grandiflora und ihr Gatte Prinz Zirzalp sehnsüchtig warteten, ihren Sohn begrüßen und umarmen zu können. Es wurde ein richtiges Willkommensfest, auf dem Prinz Potentill seine Reisegefährten, die ihm zu Freunden wurden, vorstellte. Er berichtete von seinen Erlebnissen und den Dingen, die er über Prinz Tormentill in Erfahrung bringen konnte. Bei einer anschließenden Elfenbesprechung wurde entschieden, dass Königin Rosa Grandiflora mit einem kleinen Gefolge die Gruppe zum Besuch des Zwergenkönigs begleitete. Gegen Abend machten sie sich auf den Weg zum Berg Weissfels. Dort angekommen, rief die Bärin nach ihm: „Lieber Schlagstark, ich bin es, Bärbel Petz. Ich habe noch Freunde mitgebracht die Dich auch besuchen
wollen. Ich möchte Dir gern meine Kinder Björn und Barn vorstellen.“ Ein Getrappel war aus dem Berg zu hören und schon kamen viele Zwerge angelaufen, vornweg Schlagstark der II. Die Zwerge riefen durcheinander, dass es doch nicht möglich sei, ihre Bärbel, so eine großer Bärin geworden, hat schon zwei so große Junge. Was für hübsche Kinder. Nein, was für eine Freude. So ging es die ganze Zeit durcheinander. Die Bärin legte sich ganz flach auf die Erde und der Zwergenkönig und nach ihm alle anderen Zwerge zausten an ihrem Fell. „Ach Bärbel, ich habe so oft an Dich gedacht.“ sagte Schlagstark „von deinen Eltern habe ich ja schon gehört, dass es dir gut geht. Sie haben Dich als Hummel ab und an besucht. Leer ist die Höhle im Weissfels seit ihr fort seit.“ Aus dem Wald war Brummen zu hören und zwei schwarze Wolken kamen auf den Weissfels zugeflogen. Es waren Hummeln, die da kamen und am Berg angekommen, formierten sie sich zu Bärengestalten.
Die Hummeln mit dem weißen Hinterteil wurden Vater Petz und die Hummeln mit dem roten Hinterteil Mutter Petz. Die Bärenhummeln und die Bärenjungen konnten sich brummend miteinander auf das Schönste unterhalten. In der Zwischenzeit haben sich die Blumenelfen formiert und Königin Rosa Grandiflora überreichte dem Zwergenkönig einen Teppich, gewoben aus Spinnenweben und Blütenblättern, damit er in seinem Berg auch etwas von den Blumen hat. Der Zwergenkönig bedankte sich recht artig und Grandiflora bat, ihren Bruder im Quarz sehen zu dürfen. „Das geht erst, wenn der Mond scheint.“ sagte Schlagstark. „Dann werden wir solange Musik machen“ antwortete Prinz Potentill.
„Zwergenkönig, ich möchte dir meine Freundin Morgenröte vorstellen.“ Der König nickte der Zwergin mit ernstem Gesicht zu. Der Elf holte sein Flöte hervor und spielte. Eine liebliche Melodie breitete sich aus und Morgenröte begann zu singen. Ihre Stimme füllte den Wald mit einem Gefühl von Zärtlichkeit und Schlagstark konnte seinen Blick nicht von ihr abwenden. Morgenröte sang viele Lieder über den Wald, rauschende Wipfel, über Forellen im Bach und den Abendstern. Als sie endete stand schon der Mond hoch am Himmel. Der Zwergenkönig klatschte in die Hände und es öffnete sich ein großes zweiflügliges Tor im Berg, das den Blick auf eine große weiße Halle freigab. Mitten in dieser Halle stand die verschlossene Quarzscheibe und das Mondlicht reflektierte alle Farben des Regenbogens.
Langsam und ehrfurchtsvoll betraten die Elfen die Halle, gefolgt von den Zwergen und den Tieren. Die bunten Farben chargierten und es zeigte das Abbild von Tormentill, der eine Flöte in den Händen hielt, die er an den Mund führte und eine Melodie ertönte, die bei allen eine tiefe Melancholie erzeugte. Rosa Grandiflora lief zu dem Quarz und umarmte ihn jammernd. Unter Tränen bat sie ihren Bruder, doch herauszukommen, damit sie ihn in die Arme schließen kann. „Du kannst mich nicht mehr halten, liebe Schwester“ sprach Tormentill, „denn ich bin nicht mehr was ich war. Die Sonne hat mich zum Luftgeist gemacht. Frei mit dem Wind zu fliegen ist nun mein Ziel. Ich bitte Dich, bringe mein Werk zu Ende und schaffe Versöhnung zwischen den Elfen des Tages und den Elfen der Nacht, dass der lieblose Zustand ein Ende hat.“ Königin Grandiflora schritt mit ihren Blumenelfen auf den Zwergenkönig zu und verbeugte sich vor ihm. Sie bat ihn um Entschuldigung für die Vorurteile, die ihr Volk gegen die Zwerge gehegt hatte und die sie veranlasste, seine Werbung so schroff zurück zu weisen. Die Ereignisse haben sie tief beschämt und sie würde alles daran setzen wollen, dass sie in einem guten Miteinander im Zauberwald leben können. Der Zwergenkönig griff beide Hände von Grandiflora und dankte ihr für ihre Worte. Er sagte, dass ihr Bruder Prinz Tormentill dem Zwergenvolk ein so guter Freund war, dass alle Diskriminierungen vergessen wurden. Auch hat er schon eingesehen, dass Prinz Zirzalp für die Blumenelfenkönigin ein viel passenderer Mann ist als er es je hätte sein können.
Er benötigt eine Frau die, wie der Schwarzelfen Art, nächtens aktiv ist und lieber am Tage schläft. Aber ihm hatte das Lachen und Singen so sehr gefallen, das machten seine Zwerge im Berg nicht so schön wie die Blumenelfen. Doch nun hat ihn eine Zwergin gefunden, die schöner singen kann als alle Blumenelfen zusammen und so schön ist wie der runde Mond. Er bat die Blumenelfenkönigin und ihren Sohn Prinz Potentill, die Zwergin Morgenröte für ihn zu freien. Der Elf im Quarz spielte die ganze Zeit seine Flöte und es war, als wäre seine Musik leicht wie das Säuseln eines Baches geworden. Gern übernahmen die beiden Elfen die Aufgabe der Brautwerber.
Ausgestattet mit goldenen Ketten und Citrin, Rauchquarz, Amethyst und Bergkristall setzten sie sich auf Reineckes Schwanz und ließen sich zu Morgenröte bringen, die bei den Bären stand und sich mit großen Augen die Halle ansah. Als Potentill den Wunsch des Zwergenkönigs überbrachte und die Geschenke übergab, wurde Morgenröte so rot im Gesicht, dass ihr Name eine ganz eigene Berechtigung hatte. Vor Verlegenheit konnte sie erst gar nicht antworten, aber dann nahm sie das Angebot sehr gern an, denn der Zwergenkönig hat ihr mit seiner ruhigen bestimmten Art sehr gefallen und sie musste ihn immer ansehen, wegen seiner athletischen Figur, seiner grauen Augen und dem rotblonde Haar.

Als sie die Werbung des Königs annahm brachen alle in Jubel aus und der Quarz schillerte in allen Farben. Schlagstark trat vor seine Braut, küsste sie und nahm ihr die rote Mütze vom Kopf. Der Spinnwebteppich den die Elfen als Geschenk für Schlagstark mitbrachten, wurde zum Brautschleier und es wurde eine prächtiges Hochzeitsfest gefeiert. Das Fest hatte den Höhepunkt erreicht, da bat Prinz Potentill die Zwergin Morgenröte hell und hoch zu singen, damit der Kristall zerspringen kann und sein Onkel in die Freiheit gelangt. Der König der Zwerge und die Königin der Blumenelfen fassten sich bei den Händen, so konnten sie den endgültigen Abschied von Freund und Bruder besser ertragen und Morgenröte sang, sang. Sang so hoch wie noch nie in ihrem Leben, aber der Kristall zersprang nicht. Da flüsterten die Bienen Potentill ins Ohr, dass er den goldenen Stachel einsetzen solle. Der Elf setzte den goldenen Stachel der Bienenkönigin an den Quarz und gab einen Schlag darauf, während Morgenröte sang und der Kristall zersprang in viele Splitter. Ein bunter Nebel bereitete sich in der Halle aus und bildete das Abbild des Elfenprinzen Tormentill. Er verabschiedete sich von allen und sagte, wenn sie einen warmen Wind verspüren, der ihnen um das Gesicht geht, dann ist er das. Aber jetzt will er sich in die Luft erheben und das Gefühl der Freiheit genießen. Man sah in noch als bunten Wirbel verschwinden. Der Fuchs sagte, was für ein schöner Abgang und alle nickten bestätigend. Das Hochzeitsfest wurde noch die ganze Nacht und den nächsten Tag gefeiert. Es tanzten Zwerge und Elfen gemeinsam und niemand konnte mehr verstehen, warum man sich früher nicht vertragen konnte. So ist in allem Schlechten auch der Kern etwas Guten enthalten, sagte der Fuchs und wieder mussten ihm alle zustimmen.

Als das Fest zu Ende war, bat die Blumenelfenkönigin die Bienen, die Potentill begleitet hatten, doch auf ihrer Lichtung zu bleiben und im Ebereschenbaum einen neuen Bienenstaat zu gründen. Auch dem Fuchs wurde angeboten, auf der Lichtung zu bleiben, aber er musste versprechen, keine Eidechsen und Salamander zu fressen. Die Zwerge baten die Bärin, doch wieder in die Höhle am Berg Weissfels zu ziehen, da ihre Jungen doch jetzt so groß sind, dass sie eigene Wege gehen und sie dann einsam wäre. Bärin, Fuchs und Bienen nahmen das Angebot gerne an, die Bären Björn und Barn zogen in die Welt hinaus um Abenteuer zu erleben, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andresmal erzählt werden

Die Wahrheit wiegt meistens schwer.

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