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Dieses Thema hat 9 Antworten
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 Die ägyptische Schöpfungsgeschichte
Linoma Offline




Beiträge: 1.500

31.03.2010 16:56
RE: Ursprung allen Lebens / Ägypten Antworten

Der Ursprung allen Lebens

Die Frage nach dem Ursprung des Lebens ist uralt. Sie beschäftigt die Menschen von jeher bis in die heutige Zeit hinein: Wie ist die Welt entstanden? Wie sah ihr Anfang aus?
Warum die Frage so wichtig ist, lässt sich aus unserer Existenz heraus beantworten. Mit den Schöpfungsmythen alter Kulturen wird häufig ein idealer Anfangszustand beschrieben. Das ist bei den Christen nicht anders gewesen als bei den alten Ägyptern.

Die Möglichkeit neu anzufangen und es besser zu machen als zuvor, ist für uns Menschen existentiell wichtig. Neu anfangen zu können birgt erst die Möglichkeit:

selbst etwas zu verändern,
selbst etwas zu verbessern und damit aus Fehlern zu lernen,
selbst etwas schöpferisches leisten zu können.
Der Ursprung wird von den Ägyptern mit "das Erste Mal" (sep tepi) umschrieben. Dieses "Erste Mal" impliziert schon eine Wiederholung. Es kann nicht beim "Ersten Mal" bleiben. Durch Wiederholung wird versucht eine ideale Ausgangssituation zu schaffen, eben jene, die zu Beginn der Schöpfung herrschte (siehe: Das goldene Zeitalter).

Aus dieser Überzeugung der alten Ägypter lässt sich ihre enorme schöpferische Kraft erklären, die wir auch heute noch bewundern können.

Anders als in der Genesis gibt es im alten Ägypten keinen einheitlichen oder fortlaufenden Schöpfungsbericht. Es gibt mehrere Schöpfungsmythen, die sich im Laufe der Zeit veränderten bzw. sich örtlich voneinander unterschieden.

Den alten Ägyptern war bewusst, dass die Schöpfung der Welt ein komplexes Unternehmen darstellte. Man konnte es nur durch Annäherungen und verschiedenen Beschreibungen verdeutlichen. Deshalb konnten die verschiedenen Mythen durchaus nebeneinander stehen. Teilweise scheinen sie sich sogar zu widersprechen.

Es folgen einige kurze Beschreibungen verschiedener Schöpfungsmythen mit entsprechenden Links, die zu ausführlicheren Informationen führen.

Der Urgrund

Den Urgrund oder Urzustand der Welt beschrieben die alten Ägypter gerne in verneinender Form. So bedienten sie sich oft mit der Umschreibung: "als noch nicht.... war" (z.B. als Himmel und Erde noch nicht getrennt waren).

Die Welt kommt aus der Urfinsternis (= Kuk und Kauket) und aus dem Urwasser (bzw. Urflut = Nun und Naunet). Sie taucht als Urhügel empor. Er ist der Vorgänger der späteren monumentalen ägyptischen Pyramiden. Siehe: Die Achtheit von Hermopolis.

Genauso beliebt ist das Bild der Lotosblüte. Sie taucht aus den schlammigen und dunklen Urfluten empor. Ihre Blüte symbolisiert das lebendig Geschaffene. Es gibt zahlreiche Abbildungen mit dem Sonnengott oder Sonnenkind auf der Lotosblüte stehend (siehe: Nefertem).

In einer anderen Vorstellung taucht eine gewaltige Kuh aus den Fluten empor. Sie trägt die Sonne zwischen ihren Hörnern. Dabei handelt es sich um die Himmelskuh (siehe: Hathor - Göttin der Kuh und Nut). Diese Vorstellung scheint sehr alt zu sein.

Dem Urhügel, Urlotos und der Urkuh ist gemeinsam, dass sie den tragenden Grund der Schöpfung darstellen. Sie sind Voraussetzung dafür, dass die Sonne emporsteigen kann. Die Sonne erschafft durch ihr Licht den Raum und durch ihren Lauf die Zeit.

http://www.aegypten-geschichte-kultur.de/schoepfungsmythen

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[ Editiert von Administrator Linoma am 31.03.10 16:57 ]

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Linoma Offline




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31.03.2010 16:59
#2 RE: Ursprung allen Lebens / Ägypten Antworten

Die Gestalt des Urschöpfers

Über den Urschöpfer gibt es verschiedene Schöpfungsmythen. Er hat unterschiedliche Gestalten.



Eine mögliche Gestalt ist der Urvogel, der den Urkeim der Welt in Form eines Eis in sich trägt. Sein Schrei durchbricht die Stille. Danach kommt die Sonne aus seinem Ei hervor.

Der Urvogel wird Benu genannt. Er ist das erste Lebewesen, das sich auf dem Urhügel niederlässt und als Phönix (= Benu) weiterlebt.

Auch Atum ist eine Form des Urschöpfers. Er erzeugt die Welt entweder durch seine Hand und Samen oder durch das Ausspeien des ersten Götterpaares. In der ägyptischen Mythologie sind das Schu und Tefnut.

Mit diesem ersten, ungeschlechtlich erzeugtem Paar kann die natürliche Fortpflanzung beginnen. Siehe dazu: die Neunheit von Heliopolis, die im alten Ägypten eine wichtige Rolle spielte. Als Urschöpfer stellte man sich Atum gerne als schlangenförmiges Wesen vor.

Ein weiterer Schöpfungsmythos erzählt von Ptah, der die Welt durch sein Wort, aber auch durch handwerkliches Bilden schafft. Diese Vorstellung hatte ihren Ursprung in der Stadt Memphis. Es handelt sich hier um die früheste Theologie, die davon berichtet, dass die Welt durch das Wort, den Logos, entstand. Dennoch war die handwerklich bildende Vorstellung einer Weltschöpfung bei den alten Ägyptern populärer. Die memphitische Vorstellung der Schöpfung knüpft an die Neunheit von Heliopolis an und modifizierte sie dahingehend, dass Ptah vor dem Sonnengott existierte. Er erschuf den Sonnengott durch sein Herz und seine Zunge.

Eine weibliche Schöpfergestalt ist Neith. Ihre enge Verbindung zur Urkuh knüpft an die altägyptische Vorstellung der Himmelskuh an. Eine sehr alte Verkörperung von Neith ist der Käfer, welcher aber dann dem Skarabäus: Chepre weichte.

Ähnlich wie Ptah erschafft der Urschöpfer Chnum die Welt durch seine Hände. Er formt die Welt und Menschen auf seiner Töpferscheibe.



Aussagen der unterschiedlichen Schöpfungsmythen lassen sich nicht eindeutig zeitlich-linear oder örtlich-geographisch trennen bzw. zuordnen. Sie ergänzen und durchdringen sich gegenseitig.

Der Grund dafür wurde schon angedeutet (siehe: Schöpfungsmythen). Die Schöpfung der Welt ist so komplex, dass verschiedene Perspektiven notwendig sind, um sie annähernd erfassen und verstehen zu können.

Trotz der unterschiedlichen Gestalten der Urschöpfer gibt es einige Gemeinsamkeiten:

Der Urschöpfer ist von selbst entstanden.
Deshalb hat er weder Vater noch Mutter.
Er gehört vor die geschlechtliche Differenzierung, d.h. er ist Vater und Mutter in einem.
Der Urschöpfer ist der EINE, neben dem nichts anderes existierte.
Aus ihm entstanden die vielen anderen.
Diese Form der Schöpfungsmythen wird "Urmonotheismus" genannt. Das heißt, dass aus Einem die Vielen wurden.

Ein deutliches Beispiel dafür ist das ägyptische System der Neunheit. Die Zahl 9 symbolisiert das Viele. Das Viele ging aus dem Einen (Atum) hervor. Deshalb ist die Zahl 9 eine Entfaltung des Einen, die gesteigerte Vielzahl (3x3)

http://www.aegypten-geschichte-kultur.de/der-urschoepfer

[ Editiert von Administrator Linoma am 29.04.10 13:17 ]

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Linoma Offline




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31.03.2010 17:10
#3 RE: Ursprung allen Lebens / Ägypten Antworten

Die "selige Urzeit" - das Leben unmittelbar nach der Schöpfung



Göttin Maat auf der Sonnenbarke

Das goldene Zeitalter ist eine paradiesische Vorstellung. Ähnlich wie in der Genesis, wird der Beginn der Zeit auf Erden als Idealzustand beschrieben. Diesen paradiesischen Zustand nannten die Ägypter "selige Urzeit" (pa'ut). In diesem goldenen Zeitalter herrschte die richtige ausgewogene Ordnung (siehe: Maat - als Tochter des Re).

Die Menschen und Götter lebten gemeinsam auf der Erde. In der Hierarchie der Götter stand Re, der Sonnengott am höchsten. Er war alleiniger Herrscher. Die Menschen erfreuten sich durchgehend an der Gegenwart der Sonne. Denn es gab weder Tag noch Nacht, weder Tod noch Unterwelt.

Das goldene Zeitalter neigt sich aber dem Ende zu. Die Welt wird damit unvollkommen. Der Grund dafür ist einfach: Die Welt altert. Alles was auf Erden ist, ist dem Alterungsprozess unterworfen.

Die Jugendzeit der Schöpfung geht vorbei, die Sonne (Re) verliert an Kraft. Im Gegensatz dazu kann die Finsternis nicht altern. Wir sehen also, dass das Älterwerden nicht nur die Menschen, andere Lebewesen und Dinge betrifft, sondern auch die Götter. Re wird als alternder Greis beschrieben, dem die Herrschaft mehr und mehr entgleitet. Er hat nicht mehr die Kraft seine Schöpfung durchgehend mit seinem Licht und seiner Wärme zu versorgen.

Hier endet der paradiesische Zustand des Lebens unmittelbar nach der Schöpfung und geht in die nächste Phase über.

Entstehung von Kräften gegen die Schöpfung

Zunächst beginnen die Menschen gegen den Sonnengott zu rebellieren. Sie wollen nicht wahrhaben, dass er sich mehr und mehr von ihnen zurückzieht. Sie planen Anschläge gegen Re und werden entsprechend bestraft, indem ein Teil der Menschheit durch sein Feuerauge vernichtet wird. Dennoch bleibt ein Teil der Menschen übrig.



Die Sonne entfernt sich vom Menschen. Sie zieht sich auf dem Rücken der Himmelskuh zurück. Zum erstenmal herrscht wieder Finsternis, wie vor der Schöpfung. Die Menschen können in der Finsternis nichts mehr sehen. Sie werden blind und wenden sich nun gegeneinander.

Das hat die Trennung von den Göttern zur Folge. Auch sie ziehen sich mit dem Sonnengott in den Himmel zurück.

Nun wird die Unterwelt geschaffen, deren Herrscher Osiris ist. Das Altern der Schöpfung zieht die Konsequenz des Sterbens und des Todes nach sich. Es gibt nun Gegenkräfte, nämlich Gewalt und Krieg im Leben der Menschen, aber auch im Leben der Götter.

Die Menschen verlieren ihre anfängliche "paradiesische" Unschuld. Die Welt der Götter können sie erst wieder nach ihrem Tod betreten, wenn sie ein entsprechendes Leben geführt haben.

http://www.aegypten-geschichte-kultur.de...ldene-zeitalter

[ Editiert von Administrator Linoma am 29.04.10 13:17 ]

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Linoma Offline




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31.03.2010 17:12
#4 RE: Ursprung allen Lebens / Ägypten Antworten

Die Bedrohung der Schöpfung



Apophis verschlingt die Sonne

Die Bedrohung verursachten die Menschen selbst, indem sie gegen Re rebellierten (siehe: Das goldene Zeitalter).

Ein personifizierter Feind der Schöpfung ist Apophis, die Schlange. Er will den Lauf der Sonne aufhalten. Apophis symbolisiert das Chaos, das Dunkel und damit den Zustand vor der Schöpfung, als Erde und Himmel noch nicht getrennt waren und es außer dem einen Schöpfer (der Urschöpfer) nichts anderes gab.

Das ist das Schlimmste, was einem Ägypter passieren konnte. Denn diese Bedrohung der Schöpfung gefährdet ihn selbst. Er hat also mit seiner Rebellion gegen den Sonnengott sein eigenes Überleben in Frage gestellt.

Die Bedrohung und Aufhebung der Schöpfung bedeutet das Ende der Welt. Erde und Himmel werden sich wieder vereinigen. Der Sonnenlauf endet. Urflut und Urfinsternis erfüllen das All. Nur der Urschöpfer überlebt in diesem Zustand des Chaos.

Mit dem Anfang der Schöpfung ist nun das Ende der Schöpfung genannt. Damit ist die Schöpfung im gewissen Sinne vervollständigt. Denn ohne Ende gibt es kein Anfang und ohne Anfang kein Ende. Die Schöpfung selbst trägt den Keim des Verfalls in sich. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit der Gegensätze bzw. Unterschiede.

Schöpfung und Chaos als gleichwertige Zustände

Die Bedingung eines Anfangs - die Bedingung der Schöpfung - ist ihr Ende. Umgekehrt liegt in jedem Ende der Keim eines Anfangs und der Erneuerung. Das ist ein zentraler Grundgedanke und Grundsatz ägyptischen Denkens und der ägyptischen Kultur.



Der Gedanke des Verfalls und der Zerstörung beinhaltet den Gedanken der Erneuerung und Verjüngung.

Die Schöpfung ist keine einmalig abgeschlossene Aktion, denn sie altert und muss durch permanente Wiederholung immer wieder erneuert, verbessert, verjüngt, regeneriert und bestätigt werden.

Schöpfung und Chaos stehen unmittelbar nebeneinander. Beides existiert gleichzeitig .Der alte Ägypter stellte sich die Schöpfung als Ordnung umgeben von Chaos, einer ständigen Bedrohung, vor. Beide sind gleich wichtig:

Zum einen muss die Ordnung aktiv aufrechterhalten werden.
Zum anderen kann nur etwas erschaffen werden, wenn es sich zuvor im Chaos als Nicht-geschaffen, Nicht-seiend "befand". Hier kann es sich um etwas handeln, was zerstört wurde, oder um etwas, was es zuvor überhaupt nicht gab (Ungestaltetes, Formloses)

http://www.aegypten-geschichte-kultur.de/die-bedrohung



[ Editiert von Administrator Linoma am 31.03.10 17:14 ]

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Linoma Offline




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31.03.2010 17:15
#5 RE: Ursprung allen Lebens / Ägypten Antworten

Der Stammbaum der Neunheit

In Heliopolis (ägypt. On) wurde aus 9 Schöpfungs-Göttern die Götterfamilie der Neunheit gebildet. Im Gegensatz zur Achtheit ähnelt ihre einfache Struktur einem Stammbaum, in dem die Götter nach ihren Verwandschafts-Beziehungen hierarchisch geordnet sind:

Atum
Schu und Tefnut
Geb und Nut
Osiris, Isis, Seth und Nephthys
Atum ist der älteste Schöpfergott. Er zeugt sich aus sich selbst heraus, sowie seine Kinder: Schu (Luft) und Tefnut (Feuchtigkeit). Schu und Tefnut zeugen den Gott Geb (Erde) und die Göttin Nut (Himmel). Geb und Nut zeugen wiederum die vierte und letzte Generation der Neunheit: Osiris, Isis, Seth und Nephthys. Die Geschwister sind also gleichzeitig Eltern der nächsten Generation.

In den ersten beiden Götterpaaren zeigen sich die großen kosmischen Erscheinungen: Luft, Feuchtigkeit, Erde und Himmel.

So wurde Atum als Urgrund verstanden, aus dem alle Schöpfung entstand und zu dem alles wieder zurückkehren wird.

Die Götterfamilie der Neunheit wurde immer wieder modifiziert (je nach Zeit und Örtlichkeit):

indem die hierarchische Stellung der Götter verändert, oder
indem manche Götter ausgewechselt, oder
indem andere Götter mit aufgenommen wurden und damit die Begrenzung auf die Zahl 9 nicht mehr eingehalten wurde.
So gibt es in den ägyptischen Schriften viele Neunheiten, die mal mehr oder weniger '9' waren.

Die Ordnung der 9

Hinter der Ordnung der 9 stehen weniger traditionelle Überlieferungen als vielmehr theologische Auseinandersetzungen und Arbeiten der Priester. Hieraus lassen sich leicht die Unterschiede und - für manch einen - empfundenen Widersprüchlichkeiten erklären.

Ein Beispiel hierfür sind Geb und Nut. Nach alten Überlieferungen standen sie am Beginn der Welt und galten als Eltern der Sonne. Atum, sowie Schu und Tefnu erhoben sich dann über sie. Atum wurde mit Re gleichgesetzt und zum Urgrund, zum Urhügel gemacht, aus dem schließlich die Schöpfung hervorging.

Ein weiteres Beispiel: Es fällt auf, dass Horus nie in die Neunheit aufgenommen wurde, obwohl er eine wichtige Position einnahm. Auch das versuchten die Ägypter zu verändern, indem Horus den Namen Harachte erhielt, was übersetzt: "Horus vom Horizont" (des östlichen Horizontes), heißt. Durch seine Verschmelzung mit Re wurde er zu Re-Harachte und damit deutlich in die Nähe des Sonnengottes gerückt.

Diese Lösung war nicht zufriedenstellend, denn zum einen hatte man es mit einer Sonderform des Horus zu tun, zum anderen musste man ihn mit Re verschmelzen - er ging sozusagen in Re auf. Ein anderer Versuch Horus in die Götterfamilie der Neunheit zu integrieren, bestand darin, ihn einfach als zehnten Gott anzuführen, als Sohn von Isis und Osiris (bzw. als fünftes Kind von Geb und Nut). Aber auch dieser Versuch setzte sich nicht durch.

Horus schaffte den Einzug in die Neunheit nicht

Woran könnte das gelegen haben? Eine mögliche Erklärung besteht darin, dass mit seinem Auftreten, als Widersacher und Besieger von Seth, ein neues Zeitalter bzw. eine neue Ära eingeleitet wurde. Horus vereinigte durch seinen Sieg das zuvor getrennte Ober- und Unterägypten. So gesehen ist er der Nachfolger und das Erbe der Neunheit.

Dennoch wurde damit die Neunheit nicht durch Horus abgelöst, sondern weiterhin lebendig gehalten. Auch löste er die Vormachtstellung des Atum nicht ab. Er blieb ihm immer untergeordnet. In der Spätzeit wurde Seth teils durch Horus, teils durch Thot ersetzt, was plausibel ist, denn Seth verlor seinen Kampf gegen Horus. Aber Seth wurde nie grundlegend aus der Götterfamilie der Neunheit entfernt.

http://www.aegypten-geschichte-kultur.de/die-neunheit

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Linoma Offline




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31.03.2010 17:26
#6 RE: Ursprung allen Lebens / Ägypten Antworten

Urkräfte des Chaos

In Hermopolis wurden 8 urzeitliche Wesen verehrt, die sogenannte Götterfamilie der Achtheit. Sie galten als die kosmischen Urkräfte des Chaos, aus denen alles entstand.

Entsprechend ihrem männlichen bzw. weiblichen Geschlecht werden sie in vier Götterpaare unterteilt. Folgende Ordnung und Namensgebung hat sich durchgesetzt:

Nun und Naunet (Urwasser)
Kuk und Kauket (Dunkelheit bzw. Finsternis)
Huh und Hauhet (Ewigkeit: Raum und Zeit)
Amun und Amaunet (das Verborgene).
Bei dem vierten Götterpaar gibt es unterschiedliche Überlieferungen. Amun und Amaunet werden auch als

Niau und Niaut (die Verneinung, das Nichts) bzw.
Gereh und Gerhet (der Mangel) oder
Tenemu und Tenemet (Verschwinden bzw. Weglosigkeit)
beschrieben.

Wie es zu den voneinander abweichenden Namensgebungen kam, kann heute nicht mehr festgestellt werden. Allen unterschiedlichen Überlieferungen ist jedoch eines gemeinsam. Es handelt sich um Negationen, also um Kräfte, die auch vor der Entstehung und Ordnung der Welt (Urhügel) herrschten. Mit dem Gebrauch von Negationen wollten die Ägypter verdeutlichen, dass es am Anfang der Schöpfung nichts gab. Das Positive, also "alles was ist", entstand erst durch die anschließende Schöpfung.

Darstellungsformen

Die männlichen Götter aus der Götterfamilie der Achtheit wurden häufig als Frösche dargestellt, die weiblichen als Schlangen, um ihre Nähe zum Urwasser bzw. Urschlamm auszudrücken.

Als kosmische und personifizierte Götter, sind sie als menschliche Wesen mit dem Kopf ihres Tieres zu sehen, um das Charakteristische ihrer Kraft zu verdeutlichen. Die Hautfarbe des männlichen Körpers ist blau, was auf den Status eines Urgottes hinweisen soll.

Andere Darstellungen zeigen die Götter der Achtheit gelegentlich als Affen. Das mag damit zusammenhängen, dass der Anbruch des Tages von den Affen lauthals begrüßt wurde und im übertragenen Sinne den Beginn der Schöpfung einleiteten.

Die Götterfamilie der Achtheit lässt sich bis zum Beginn der ägyptischen Geschichte zurückverfolgen. Ihre Stadt heißt Schmun, was mit "die 8" übersetzt wird. Die Achtheit verkörpert ein Ganzes. Nur durch ihr Zusammenspiel sind sie fähig eine Welt zu erschaffen.

http://www.aegypten-geschichte-kultur.de/die-achtheit

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Linoma Offline




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29.04.2010 13:21
#7 RE: Ursprung allen Lebens / Ägypten Antworten

Die Schöpfungsgeschichte von Heliopolis

Die älteste und wohl bekannteste Schöpfungsgeschichte kommt aus der Stadt Heliopolis.

Am Anfang war die Erde ein Chaos aus Urwasser, dem so genannten "Nun". Der Gott Atum ließ aus dem Wasser einen Urhügel entstehen und ließ sich auf ihm nieder. Atum zeugte durch Selbstbefruchtung oder durch Vereinigung mit seinem Schatten den Gott der Lüfte Schu und die Feuchtigkeit Tefnut. Es wurde auch erzählt, dass Atum den Luftgott Schu durch Niesen und die Göttin Tefnut durch Ausspucken gezeugt hat. Auf jeden Fall zeugten Schu und Tefnut Nut und Geb, wobei Nut der Himmel und Geb die Erde war. Die wiederum zeugten Osiris, Seth, Isis und Nephthys. Osiris und Isis zeugten Horus, so dass eine neunköpfige Familie, die sogenannte Enneade oder Neunheit von Heliopolis entstand.

Bemerkung:
Auf dem Urhügel, so erzählten die Priester, erbaute man später die Stadt Heliopolis. Bei anderen Städten spielte das Urhügelmotiv ebenfalls eine große Rolle. Verständlich, da nach dem Zurückweichen der Nilüberschwemmung kleine fruchtbare Hügel oder Inseln auftauchten.
Die Priester in Heliopolis verehrten den so genannten Benben-Stein. Er galt als Symbol für den Urhügel, auf dem die ersten Strahlen der Sonne trafen und dem zu Ehren ein Tempel für den Sonnengott errichtet wurde.
Der griechische Schriftsteller Plutarch (46-120 n.Chr.), der Ägypten bereiste, erzählt uns noch eine andere Variante der Geschichte: Nuts Vater Schu, die Luft, soll sich zwischen den beiden Liebenden gestellt haben, so dass Himmel und Erde von diesem Tage an getrennt waren. Nut und Geb war es nun nicht mehr möglich, Kinder zu zeugen. So dachte sich Nut eine List aus und gewann 5 Tage des Jahres von Thot, dem Gott des Kalenders. Das Jahr bestand von da an aus 365, statt aus 360 Tagen. Nut nutzte die Gelegenheit und zeugte mit Geb heimlich 5 Kinder: Osiris, Isis, Seth, Nephthys und Haroeris (Horus).


So stellten sich die alten Ägypter Himmel und Erde vor
Unten liegt Geb, die Erde. Oben, Nut, der Himmel, die von Schu, dem Luftgott gestützt wird. Auf diesem Bild wird Schu noch von zwei Widdergestaltigen Gottheiten unterstützt.
Seit dem Neuen Reich glaubten die alten Ägypter auch an die Himmelskuh, die von Schu gestützt wird.



Die Schöpfungsgeschichte von Hermopolis

Die Menschen in Hermopolis erzählten, dass ihre Stadt ebenfalls als erste aus dem Urwasser entstieg, nachdem 4 schlangen- und 4 froschartige Götter unter dem Urhügel der Stadt Hermopolis entstanden waren und die Urmaterie selbst personifizierten. Diese waren das Urgewässer Nun und Naunet, die Endlosigkeit und Ewigkeit Huh und Hauhet, die Finsternis Kuk und Kauket und Amun und Amaunet, die in etwa für die unsichtbare Kraft oder Luft/Wind standen.
Die vier Götter wurden froschköpfig, die weiblichen vier Gegenstücke schlangenköpfig dargestellt.
Auf dem Urhügel legte eine Gans, der "Große Schnatterer", der erstmals das Schweigen der urzeitlichen Stille brach, ein Ei aus dem der Sonnengott Re entschlüpfte.
Seltener wurde erzählt, dass aus dem Ei die Luft entstieg, die den Himmel von der Erde trennte und den Lebenshauch für die entstehende Schöpfung gab.
Manche Geschichten erzählen auch von einem Ei, dass aus dem dunklen Urgewässer entstand. Als es zerbrach erstrahlte aus ihm das Sonnenlicht über die ganze Erde.
Anstelle des Eis trat auch eine Lotosblume auf, aus der Re, als sich die Blüte morgens öffnete, entstieg.

Bemerkungen:
Die alten Ägypter kamen bestimmt auf froschköpfige und schlangenköpfige Götter, da diese aus dem Nil entspringen.
Die Götternamen wechselten wahrscheinlich im Laufe der Zeit. Amun mit seinem weiblichen Gegenstück Amunet ersetzten wohl erst in späterer Zeit andere Namen, als die Amun-Verehrung immer mehr an Bedeutung gewann.
Das Ei aus dem der Sonnegott Re entstand war die Attraktion für alle Hermopolis-Pilger. Das Wappen von Hermopolis bestand aus einem Ei und einem Hasen, was uns doch irgendwie an Ostern erinnert. Für die Verbindung fehlen aber noch die Beweise.



Die Schöpfungsgeschichte von Memphis

Memphis war davon überzeugt, dass der Gott Ptah die Welt und die Götter durch das Wort und die Gedanken entstehen ließ.
Ptah entstieg aus dem Urgewässer und brachte mit dem Herz und der Zunge die Götterneunheit von Heliopolis hervor. Nach dem Glauben der alten Ägypter war das Herz der Geist, der die Gedanken formte. Die Zunge folgte den Befehlen des Herzens und sprach sie aus. Als Ptah die Namen der Götter nannte, erschuf er sie, darunter auch Atum, den Schöpfergott von Heliopolis. Nach memphitischen Glauben folgte Atum also nur die Anweisungen von Ptah, was den Priestern in Heliopolis bestimmt nicht gefallen hat.
Nachdem Ptah nun die Götter erschaffen hatte, wies er ihnen Kultstätten zu, an denen sie verehrt werden konnten. Er begründete moralische Wertvorstellungen und errichtete in Ägypten ein politisches System, indem er das Land in Bezirke unterteilte.
In späterer Zeit verschmolz Ptah mit der Gottheit Tatenen (eine andere Bezeichnung für den Urhügel) und wurde so mit Atum gleichgesetzt, der in anderen Versionen der Schöpfungsgeschichte von Hermopolis nicht nur als Schöpfer des Urhügels, sondern auch als der Urhügel selbst dargestellt wurde.



Die Schöpfungsgeschichte von Theben

Theben erfuhr erst seine große Blüte zur Zeit des Neuen Reiches, als Amun zum großen Reichsgott ausgerufen wurde. Deswegen hatte es die Stadt auch nicht gerade einfach sich gegen die alten Schöpfungsgeschichten durchzusetzen, so dass eine Zusammensetzung aus anderen die einzige Lösung war. Amun entstand demnach aus sich selbst und erscheint sowohl in der Achtheit von Hermopolis, als auch als Urhügel Tatenen von Memphis und begab sich wiederum wie in Hermopolis als Re in den Himmel. Amun schuf Götter und Menschen und ordnete wie Ptah die Welt. Auf dem Urhügel gründete er die erste Stadt Theben, nach deren Vorbild alle anderen Städte gebaut wurden.



Die Schöpfungsgeschichte von Elephantine

Die Insel Elephantine glaubte, dass der widderköpfige Gott Chnum die Menschen aus Ton und mit Hilfe einer Töpferscheibe formte. Alte Aufzeichnungen veranschaulichen bis ins kleinste Detail die Entstehung des menschlichen Körpers mit seinem Skelett, die Beschaffenheit der Haut und seinen Organen.

http://www.selket.de/schoepfung.htm

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Linoma Offline




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01.05.2010 22:01
#8 RE: Ursprung allen Lebens / Ägypten Antworten

"Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde und die Erde war wüst und leer." So beginnt die Schöpfungsgeschichte in der Bibel. Mit faßt den gleichen Worten beginnen die Papyry und Textüberlieferungen über den Beginn der Götterwelt der alten Ägypter. Auch hier wird von einem Chaos gesprochen, aus dem dann Gott die himmlische Ordnung erschuf. Ganz am Anfang der Ägyptischen Werdung standen die örtlichen Feld- und Naturgötter, sowie Fetische, die angebetet wurden. Nach den ersten Schritten zu einem größeren gemeinschaftlichen Miteinander, wurden auch die Götterformen deutlicher herausgebildet. Es gab dann bald Götter mit regionalem u. überregionalen Geltungsbereichen, Götter für Städte, Götter für Gaue und kleine Ortsgötter für Dörfer. Alle konnten durch Verschmelzung mit den Hauptgöttern eine Vielzahl an Formen und Bedeutungen bekommen.

Zum Anfang der Schöpfung standen vier Gottheiten im Mittelpunkt. Das waren die Himmelsgöttin Nut, der Erdgott Geb und der Luftgott Schu. Überallem stand Re der große Sonnengott als der Schöpfer aller Dinge. Die Sonne, die bedeutendste aller ägyptischen Gottheiten, besaß viele Namen, und es gab unterschiedliche Auslegungen ihrer Funktionen. Als Sonnenscheibe nannte man sie Aton. Bei ihrem Auftauchen am Morgen war sie das Kind mit Namen Chepri, in dieser Form wurde die Sonne als Skarabäus dargestellt, der die Sonnenkugel vor sich herrollt. Stand die Sonne im Zenit, dann war sie Re oder R~ und gleichzeitig der Hauptgott der religiösen Stadt von Heliopolis. Die Abendsonne galt als Alter Mann und wurde Atum genannt.

Der Falkengott Horus, ursprünglich eine mächtige Himmelsgottheit, setzte man mit dem Namen Ra-Harachte der Sonne gleich, was "Ra, der ist der Horus am Horizont" bedeutet und er wurde als geflügelte Sonnenscheibe dargestellt. Die alten Ägypter glaubten, daß am Anfang das Universum von einem Urozean, genannt Nun, angefüllt gewesen sei. Obwohl Nun zuweilen mit einer Wasserwüste verglichen wurde - diesen Eindruck gewannen sie durch die Nilüberschwemmungen hatte das Urgewässer keine Oberfläche: es füllte das ganze Universum aus. Die Wasser von "Nun" standen und waren ohne Bewegung. Sicher beruhten diese Vorstellungen auf der Beobachtung der Ägypter, daß die Tümpel, die von den zurückflutenden Wassern des Nil stehenblieben, in geradezu wunderbarer Weise bald von Tieren belebt waren. Der Mond war der Bruder der Sonne und ein Sohn der Himmelsgöttin Nut. Manchmal wurde er mit Osiris identifiziert, zu anderen Zeiten mit Thot, dem Gott der Schreiber und Gelehrten in der Gestalt als Ibis oder Pavian dargestellt. Die Sterne galten als Kinder der Himmelsgöttin. Die Ägypter sahen die Schöpfung eher als einen langsamen Entwicklungsvorgang denn als einen plötzlichen Schöpfungsakt an.

Sie waren der Überzeugung, daß die Götter in der sogenannten "Erste Zeit" wirklich auf Erden lebten und dort ihre Königreiche hatten, ein glückliches, ein Goldenes Zeitalter gewesen sei, in dem Gerechtigkeit im Lande herrschte. Der Nachfolger dieser Götter, der Pharao, hatte die Aufgabe, die Herrschaft der Maat, Göttin der Gerechtigkeit, zu wahren. Die Göttin Maat wird als Frauengestalt mit einer Feder auf dem Kopf dargestellt. Machmal sieht man auf den Abbildungen nur eine Feder auf einer Waage und in der anderen Schale das Herz des Verstorbenen. Hier wird der Verstorbene auf seine guten Taten im Leben abgefragt und gewogen. Zurück zu den Göttern. Der Erdgott Geb und die Himmelsgöttin Nut bekamen vier Kinder, nämlich Isis und Osiris, Nephthys und Seth. Horus, der Falken-Gott der Pharaonen war der Sohn von Isis und Osiris. Der lange Kampf der verfeindeten Brüder um die Macht zwischen Seth und Osiris hat in der Bibel die Parallele in der Geschichte von Kain und Abel. Osiris wurde von seinem Bruder Seth getötet und in viele Teile zerteilt über das Land verstreut. Isis seine Gemahlin suchte die Teile zusammen und hauchte Ihm neues Leben ein. Gott Ra aber bestimmte Osiris zu Gott der Unterwelt und dem Jenseits. Osiris wurde der Totengott. Seth bekam das Aussehen eines Mischwesens zwischen Esel und einem Tapi und war fortan der Gott allen Bösens auf Erden. Aus diesen Urgöttern entstand die Götter-Neunheit die mit anderen Orts-Göttern in den verschiedenen Regionen verehrt wurden. Einer der größten Reichsgötter wurde der Gott Amun, genannt der Verborgene, der seinen Tempel in Karnak hatte und der auch der größte Bauplatz aller Zeiten wurde.

Der Gott Amun wurde auch in der Form des Widders verehrt. Seine Statuen stehen in großer Zahl vor dem Tempel in Karnak. Ihm zu Ehren bauten die Pharaonen diesen Tempel bis faßt zu Christi Geburt zu der größten Tempelanlage des ganzen Landes aus. Pharaonen wie Ramses II. Thutmosis III. und viele andere Könige steigerten sich in eine ware Bauwut um sich und ihrer göttlichen Abstammung ein Denkmal zusetzten. Jede Möglichkeit wurde genutzt, sich mit den Göttern gleich zusetzen und in der jeweiligen Form die göttliche Abstammung zu untermauern. Für jede Entscheidung wurde der Rat der Götter eingeholt und viele Abbildungen zeigen den Einklang des Königs mit dem jeweiligen Gott in Form von Opferdarstellungen oder gemeinsamen Abbildungen, wobei der Gott den König umarmt und damit den Schutz des Königstum garantiert.

Auf Grund dieser starken Verehrung der Götter konnte sich auch eine sehr starke Priesterschaft bilden, die neben dem König eine weitere starke Säule innerhalb des Staates bildete. Diese mächtige Priesterschaft hatte ab der 20. Dynastie faßt die gesamte Macht im Staate übernommen und der König war nur noch ein schwacher Abglanz der Vergangenheit. Die Götterwelt mit seinen vielfältigen Formen war auch für die sogenannten kleinen Leute von großer Bedeutung. Kein Grab wurde fertiggestellt ohne auf die Götterwelt und das damit verbundene Tagesgeschehen (Arbeit und Freizeit) einzugehen. Die Verehrung der Götter bedeutete aber nicht, daß der Ägypter die Freuden des Lebens nicht genossen hat. Im Gegenteil, Tanz und Feste sind in den Gräbern auch verzeichnet. Die Verehrung der ägyptischen Götter endete erst um ca. 400 n. Chr. als in Syrien der letzte Tempel der Isis geschlossen wurden.

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Linoma Offline




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23.05.2010 15:52
#9 RE: Ursprung allen Lebens / Ägypten Antworten

Am Anfang


... herrschte das Chaos auf der Erde, sein Name war „Isfet" - ein ungeordneter Urzustand in absoluter Finsternis weit vor jeder Schöpfung. Wasser bedeckte die Oberfläche der Welt, das Urmeer, das „ Nun" genannt wurde und in dem bereits alles Leben unerschaffen enthalten war.

In diesem Meer erschuf sich der Gott Atum aus eigener Kraft und eigenem Willen, indem der seinen Namen aussprach. Er schwamm an die Wasseroberfläche und an der Stelle, an der er auftauchte, entstand das erste Stück Land, der „Urhügel".

Atum erschuf seinen Sohn, den Luftgott Schu, indem er ausspuckte und seine Tochter, die Göttin der Feuchtigkeit Tefnut, indem er sich übergab. Eines Tages verschwanden Schu und Tefnut und Atum war so sehr in Sorge, dass er weinen musste und aus seinen Tränen entstanden die Menschen. Er sandte eines seiner Augen aus, um die beiden zu suchen. Während das Auge den Aufenthaltsort der Götterkinder ausfindig machte, formte Atum sich ein neues Auge, das er an die Stelle des alten setzte.


Als das ausgeschickte Sinnesorgan mit den vermissten Kindern zurückkehrte und merkte, dass sein Platz neu vergeben war, wurde es sehr zornig, so dass Atum es sich an seine Stirn setzte, von wo aus es die ganze Welt überblicken konnte, die Atum nun gestalten wollte: Das Urgewässer zog sich in die Erde zurück und hinterließ als Erinnerung an seine Gegenwart den Nil. Schu und Tefnut zeugten den Erdgott Geb und die Himmelsgöttin Nut. Doch Schu, der Gott der Luft, war ein eifersüchtiger Vater, der nicht zulassen wollte, dass sich Himmel (Nut) und Erde (Geb) vereinigten und stellte sich deshalb zwischen sie. Doch trotzdem schafften es Nut und Geb vier Kinder zu zeugen: Osiris und seine Schwestergemahlin Isis, die schon eine große Liebe im Mutterleib verbunden hatte, und Seth und dessen Frau Nephthys.

Nephthys begehrte ihren Bruder Osiris, der jedoch nur Augen für seine Frau hatte. So nahm sie die Gestalt der Isis an, und zeugte mit dem nichtsahnenden Osiris ein Kind - den hundeköpfigen Anubis. Osiris wurde König über Ägypten, aber sein jüngerer und betrogener Bruder Seth neidete ihm diese Stelle. Heimlich nahm er die Körpermaße von Osiris und ließ einen kostbaren Sarg anfertigen. Diesen präsentierte er während einer Feier seines Bruders und wollte ihn demjenigen schenken, der genau hinein passte. Enttäuscht verließ jeder der Gäste den Sarg, bis sich als letzter Osiris hineinlegte. Schnell verschlossen Seth und seine Helfer den Deckel, warfen den Sarg mit Osiris in den Nil und ließen ihn treiben. In Byblos wurde er an Land gespült und ein Baum umwuchs ihn völlig. Aber mit Hilfe des Gottes Thot gelang es Isis den Sarg aufzuspüren.
Durch die dem Anubis von Thot übertragene Zauberkraft versuchten Isis und die reumütige Nephthys den Osiris ins Leben zurück zu holen. Aber in einem unbeobachteten Moment gelang es Seth den Leichnam erneut zu stehlen. Er zerschnitt ihn in 42 Teile und warf diese in den 42 Gauen Ägyptens in den Nil und ein Nilhecht hatte Osiris' Glied abgebissen und aufgefressen. Dadurch, dass der Fisch den Körperteil eines Gottes in sich aufgenommen hatte, wurde er ebenfalls göttlich.

ber Isis und Nephthys hörten mit ihrer Suche nicht auf, bis sie alle Stücke des Gottes gefunden hatten. So sehr sie sich auch bemühten, das Körperteil, das der Fisch gefressen hatte, war nirgendwo zu finden gewesen. Sie nähten den Leichnam zusammen und Isis formte das fehlende Stück aus Ton. Die beiden Schwestern verwandelten sich in Falkenweibchen und klagten bitter um Osiris, der noch einmal für kurze Zeit ins Leben zurückkehrte. Ein letztes Mal vereinigten sich Isis und Osiris und zeugten ein Kind, bevor Osiris in die Unterwelt hinabstieg und der Herrscher des Totenreiches wurde.

Im Schutz der dichten Pflanzen des Deltas gebar Isis ihren falkenköpfigen Sohn Horus und zog ihn im Verborgenen unter dem Schutz des Thot und des Anubis auf, denn Seth hatte von seiner Existenz erfahren und war auf der Suche nach ihm. Horus wurde erwachsen, hatte zu kämpfen gelernt und forderte seinen Onkel Seth, den Mörder seines Vaters, heraus, in einem gewaltigen, jedoch unentschieden endenden Kampf verlor Horus sein Auge und Seth seine Hoden.

Der weise Gott Thot trat auf das Schlachtfeld, nahm sich des Auges an und heilte es. Danach gab er Horus „das Geheilte" (ägypt.:Udjat) zurück. In einem Beschluss des Allherrn Atum wurde Horus die Herrschaft über das fruchtbare Land übertragen, während Seth in die unfruchtbare Wüste verbannt wurde, über die er gebieten konnte. Ein erneuter Versuch des Seth sich der Macht zu bemächtigen misslang. Er trat, um einer Bestrafung zu entgehen, reumütig in den Dienst des Ra und beschützt seither die göttliche Barke vor den nächtlichen Angriffen der unbarmherzigen Schlange Apophis.
So trat Horus das Erbe seines Vaters an und herrschte über das Land am Nil.

Hier beginnt die Geschichte, denn der Gott Horus nahm seit Anbeginn der Zeit in jedem Herrscher Ägyptens Gestalt an und das Land, über das er herrschte.

Nachsatz:
Dies ist eine Version des Osiris Mythos welcher seinen Ursprung in der Ermordung des Königs Ni-netjer hatte. Es gibt viele teilweise stark unterschiedliche Fassungen in den diversesten Schriften und Texten, welche auch auf abweichende Verehrungsriten in den verschiedenen Gauen hinweisen. Die ersten Niederschriften über Osiris finden sich in der Pyramide des Königs Unas (gest. 2367 B.C.). Damit zählen sie zu den ältesten religiösen Schriften der Menschheit. Eine wirkliche reichsweite Verehrung fand dieser Kult jedoch erst im „Neuen Reich“. Vorher kamen noch die Zeiten der kometenhaften Aufstiege der „Großen Sonnen-Götter“ Ra und Amun.

Die Wahrheit wiegt meistens schwer.

Linoma Offline




Beiträge: 1.500

23.05.2010 15:56
#10 RE: Ursprung allen Lebens / Ägypten Antworten

Die Wahrheit wiegt meistens schwer.

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