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 Heidnisches vom Christentum entlehnt / Heidentum-Christentum
Linoma Offline




Beiträge: 1.500

13.11.2010 17:55
RE: St.Martin antworten

Was muss das für ein arroganter Kerl gewesen sein, dieser Martin! Hoch auf dem Ross zertrennt er seinen wertvollen Mantel und wirft dem frierenden Bettler einen - nun unbrauchbaren Fetzen mit nur einem Ärmel - zu Füßen! So dachte Klein-Georg im römisch-katholischen Religionsunterricht seiner Volksschulzeit, und so vermutlich hunderttausende SchülerInnen vor und nach ihm. Das war doch wohl keine Großtat heiliger Nächstenliebe gewesen, was Martin da getrieben haben soll, sondern eine schamlose Verspottung der Armut.

Doch als dieser Martin als Heiliger eingeführt worden ist, war eben keine Zeit für Schwächlinge. In den Fußstapfen der Römer waren an der Schwelle von der antiken Sklavenhaltergesellschaft zur mittelalterlichen Feudalherrschaft die Merowinger, Pippiniden, Karolinger und alle anderen geld- und machtgierigen Barbaren-Häuptlinge angetreten, sich mit Hilfe der monopolisierten römisch-katholischen Kirche, ihres Klerus und ihrer Heiligen - also mit Kreuz und Schwert - auf dem Rücken von Millionen Armen, Leibeigenen, Sklaven ein neues Weltreich blutig zusammen zu raffen. Da gehörte den Skrupellosen die Welt - und auch der Himmel.

Der später heilig gesprochene Massenmörder und Völkerschlächter, Karl, der Große (Kriegsverbrecher), schleppte auf seinen blutigen Zügen durch Europa nicht zufällig immer auch einige angebliche Martins-Reliquien mit sich - u.a. in einem Medaillon, von denen er sich gleich mehrere um den Hals hing. Und wie der Menschen Begleiter, der Hund, an jeder Ecke seine Markierung anbringt, so markierten die Karolinger die wichtigsten Kreuzungen in den eroberten Ländern - an denen zuvor röm. Straßenstationen bestanden - mit Kapellen (von lat. cappa = Mantel) für Martin, der zum geeigneten Schutzpatron der fränkischen Kriegshorden erklärt worden war. - Schließlich kommt Martin von lat. Martinus. Und das heißt eben: Sohn des Mars, des Kriegsgottes der (von den Franken bis zu Karls Caesar/Kaiser-Titel imitierten) antiken Römer!



Das Interessante an der Sache mit Mars (und seinem Sohn Martinus): Der italische Mars war ursprünglich gar kein „Krieger” und Totschläger, sondern ein bäuerlicher Wachstums- und Ackerbau-Gott, Heros und Geliebte der ehemaligen Frühlings-Göttin Venus. Das Paar stand also mythologisch für das (Wieder-) Erwachen der Natur und den ewigen Kreislauf des Lebens, für Geburt und Wiedergeburt.

Die Fruchtbarkeits-Komponente des Mars wurde sogar noch ins römisch besetzte Gallien, das spätere Aufmarschgebiet der Franken, exportiert. Davon zeugen dort diverse überlieferte Namen romanisierter Kelten-„Götter”, die ihre mythologischen Wurzeln in Cernunnos haben: So z.B. Mars Smertrios, Heros des (irdischen) Segens und des Verteilens - allerdings keine Fetzen; Mars Camulos, Heros des Pfluges (cam = gebogen = Pflug) und viele andere.

Ein relativ bäuerliches, ländlich abgeschiedenes Leben dürfte ursprünglich auch der Hl. Martinus geführt haben, von dem nicht sicher ist, ob - wie bei Nikolaus - der Name schon lange mythologischen Heiligenstatus genoss, bevor dieser einem (erfundenen oder realen) katholischen Kleriker umgehängt worden ist. Auch bei Martin scheint - allen Laternen-Umzügen und Gansl-Essen zum Trotz - in Wahrheit die Fiktion die Mutter des Heiligen gewesen zu sein. Den Vogel schoss dabei schon der willige Chronist der fränkischen Barbaren-Häuptlinge, Bischof Gregor von Tours (538 - 594) ab, der seinen „Förderern” eine Geschichte der Franken erfand, nach der die Merowinger just aus dem damals idealisierten Pannonien stammten. (Und weil bekanntlich „eine Hand die andere wäscht”, wurde umgekehrt Gregors Kirchenschatz in Tours immer größer.)

Martin kam vom Bethen-Stein
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Die ehemalige Römer-Provinz Pannonien war damals für Stammbäume „in”! So erhielt auch der legendäre katholische Heilige Martinus zum kriegerischen Namen ein passendes Bäumchen geschnitzt. Und weil der erste „christliche” Merowinger-Häuptling und Massenmörder Chlodwig seine, als Religionskriege deklarierten Raubzüge unter die Patronanz des bewaffneten Heiligen gestellt hatte, so musste natürlich auch dieser aus Pannonien stammen und Römischer Offizier gewesen sein! Interessanterweise geriet dabei gerade ein dominanter keltischer Kultort nahe der heutigen burgenländischen Grenze zum mythologischen Geburtsort des fiktiven Martinus: Szombathely, dt. St. Ambeth Ort, zu Kaisers Zeiten auch Stein am Anger genannt, nach dem Heiligen Stein des Bethenheiligtums. Das sollte aber in ehemals keltischen Ländern von Tours bis Linz und Deutsch Schützen kein Nachteil sein! Im Gegenteil! Noch heute tragen z.B. weit über 400 französische Dörfer und über 3000 Kirchen im Land Martins Namen!

Was die Gänse betrifft, kam Martinus zu diesem Attribut natürlich nicht deshalb, weil ihn diese der Legende nach verraten hätten, als er sich angeblich in Tours versteckt hatte, um nicht zum Bischof gemacht zu werden. Die Gänse zeugen vielmehr von feudaler Ausbeutung. Die schönsten hatten nämlich am Martinstag (11. November) an die weltlichen und geistlichen Feudalherren als zusätzlicher Tribut abgeliefert zu werden, auf dass sich die hohen Herren mit ihnen mästeten! Auch die Laternen-Umzüge der Kinder haben weniger mit Martin als mit dem Termin - knapp nach Samhain! - zu tun. Bevor die Kindergärten zuschlugen, dienten die Kinderumzüge von Haus zu Haus dem gleichen Zweck wie die heute sinnentleerten reaktivierten Halloween-Züge: Die Kinder brachten - wie zur Keltenzeit die Seelen und die Bethen - den besuchten Häusern Glück und erhielten zum Dank kleine Gaben!

Und wie er mit dem 11.11. in den Fasching geriet
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Als der Cernunnos-Ersatz Martinus - ursprünglich selbst ein potenter Frucht-barkeitsheros - bei uns etabliert wurde, ging der seit mehr als einem Jahrtausend gebräuchliche „Julianische Kalender” bereits rund zehn Tage vor, und nach der doch noch über Cäsar stehenden Zeitwahrheit der Sonne war an Martins Feiertag, dem 11. November, eigentlich gerade erst der 1. November - also Samhain, der Neujahrstag der Kelten, der größte Feiertag, der ausgelassen, sinnlich und berauschend gefeiert wurde. Da gabs nicht Fasten-Nacht, sondern das genaue Gegenteil davon. Zu dem Termin ließen die Kelten „die Sau raus”, und die lieben Gänschen, die sie je Hof bis auf ein Zucht-Paar schlachteten, um sie nicht durch den Winter füttern zu müssen, verputzten sie mit Genuss höchst dero selbst, statt feudaler Grafen, an deren Stelle sie auch selbst noch die Tänzchen wagten, zu denen statt rasierten Figaros bärtige Barden aufspielten! Amtliches Tanzverbot am „Allerheiligen-Tag” blieb späteren Etappen der kulturellen Entwicklung vorbehalten!

Die Wahrheit wiegt meistens schwer.

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