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Dieses Thema hat 5 Antworten
und wurde 773 mal aufgerufen
 personenspezifische Festtage/Gedenktage
Linoma Offline




Beiträge: 1.500

03.01.2011 14:51
RE: 2. Januar Perchtentag (Holle/Hulda) antworten

Die Frau mit den vielen Gesichtern




Nur gibt sie sich da nicht immer leicht zu erkennen. "Ihr eigentlicher Name ist unbekannt", sagt Andrea Jakob. Die Meininger Kunsthistorikern, die sich seit Jahren mit Volkskunde und Brauchtum in Thüringen beschäftigt, hatte die Idee für eine Holle-Ausstellung im Schloss Elisabethenburg. Sie will dieser mysteriösen Frauengestalt ein wenig auf die Schliche kommen. Denn die taucht hierzulande immer wieder auf: Als Hütes-Holle lässt sie in Meiningen Rudolf Baumbach zufolge sämtliche Weinstöcke erfrieren und verteilt stattdessen Kartoffeln und ein Kloßrezept. In Schwarza führt sie ein "Wildes Heer" an und inspirierte sogar Goethe einst zu einem Gedicht. Als "Herrschekloesche" taucht sie in der Weihnachtszeit in Siegritz und Gethles auf. "Hullewetz" heißt sie in einigen südthüringischen Dörfern - die bekannteste Version ist dabei die Schnetter "Hullefraa". Anderenorts ist sie als "Percht" bekannt, führt eine Zwergen- oder Seelenschar an, fährt in den heiligen zwölf Nächten mit einem Wagen übers Land oder verwandelt Leinsamen zu Gold.

Als Mythos, im Märchen, in Sagen und Bräuchen lässt sich die Frauengestalt greifen. Andrea Jakob interpretiert sie in der Meininger Ausstellung wie schon seinerzeit die Brüder Grimm als germanisch-heidnische Göttergestalt und schließt sich damit auch jüngsten sprachwissenschaftlichen Untersuchungen an. "Holle, Percht, Gode, Herke oder Wode sind alles Decknamen für ein und dieselbe Person", sagt Jakob. Aber auch als dämonisches Weib der mythologischen Unterwelt wird Frau Holle verschiedentlich interpretiert.

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Linoma Offline




Beiträge: 1.500

03.01.2011 14:52
#2 RE: 2. Januar Perchtentag (Holle/Hulda) antworten

Beschützerin und Lichtbringerin Borbeth
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In der eben geschilderten Sage tritt nur eine Frau, eine Percht, auf, doch ist sie ganz eindeutig der dritte Aspekt der keltischen Dreifachen Muttergöttin. Sie ist die dunkle Borbeth/Barbara, die sowohl für den Schutz der (ungetauften/ heidnischen) Seelen in der Nacht und in der „Anderswelt" zuständig ist, als auch - mit den beiden anderen „Nothelferinnen” - für den Schutz von Haus und Hof. Mit ihr endet der ewige Kreislauf und beginnt doch ständig wieder von neuem. Ob Licht und Vegetation im Jahreslauf, ob Tier, ob Mensch. Wer sich ihr anvertraut, wird durch die Dunkelheit geleitet, um neuerlich ans irdische Licht zu treten.

Die Sage bedarf kaum weiterer Interpretation. Sie erleuchtet einmal mehr den wesentlichen Mittelpunkt des keltischen Glaubens, die Dreifaltige Mutter-Göttin. Wilbeth, Ambeth und Borbeth, so nannten die Menschen im Alpenraum zuletzt die Drei Bethen („die Ewigen”), die drei Aspekte der großen keltischen Mutter- und Schutzgöttin begegnen uns immer wieder. Erst tausend Jahre nach Christi Geburt wurden sie in die „Heiligen Drei Madln” uminterpretiert bzw. „getauft” in die „Nothelferinnen” Katharina, Margaretha und Barbara. (Von denen letztere auch als Bergpatronin gut an die Südflanke der Eisenerzer Alpen passt.) An ihren magischen Funktionen hat sich auch unter dem „getauften” magischen Kürzel „K+M+B” nichts geändert.

Wer aber „K+M+B” so locker in den Mund nimmt, wie ich, der hat natürlich einen gewissen Erklärungsbedarf gegenüber geeichten „Sternsingern”. Doch: „Das ist nicht schwer!” Auf die Variante mit den drei katholischen Nothelferinnen folgte als vorletzte Stufe der Verschleierung der alten keltischen Göttinnen –Trinität, die fromme Mär von den „Heiligen Drei Königen”, die justament Kaspar, Melchior und Balthasar geheißen haben sollen – also wieder „K+M+B”.

Die Weisen von der Krippe zu Beth-lehem waren zwar endlich Männer, doch weder Heilige, noch drei an der Zahl, noch Könige, noch sind von ihnen wirklich Namen überliefert. Und nicht „ihr Tag” ist es in Wirklichkeit bzw. ihre Nacht, die Nacht vom 5. auf den 6. Jänner (die eigentlich zuerst zu Samhain war)! Es ist die Nacht der Bethen (vulgo „Perchten”), der alten Schutzgöttinnen-Trinität, der weder mit Skeptizismus beizukommen ist, noch mit Uminterpretationen – auch wenn die „jüngste” Version, die das 2. Vatikanische Konzil in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts den „belasteten” Drei Madln entgegensetzte, nunmehr „C(!)+M+B” lautet, „Christus Mansionem Benedicat” („Christus möge dieses Haus segnen”)!

Der vertauschte Buchstabe (C statt K) ändert im Grunde recht wenig. Denn gerade unsere keltischen Vorfahren verstanden sich auf magische Rätsel und Formeln, bei denen ein absichtlich vertauschter Teil nur der Tarnung gegenüber Uneingeweihten – also dem Schutz des Geheimnisses – diente, aber nichts an der Wirkung änderte. Das trifft schließlich auch auf die Kinder zu, die zu Jahresbeginn besondere Glücksbringer sind, wenn sie einem als erstes begegnen - ob mit oder ohne königliche Verkleidung oder sonstige Tarnung. Was kein gutes Omen für das neue Jahr sei, verrät in diesem Zusammenhang „Das Brauchbuch” aus dem (röm.-katholischen) Herder-Verlag: Am schlechtesten wäre es demnach, wenn einem als erstes „eine alte Frau oder ein Priester” erscheint.

Doch zurück ins steirische Liesingtal. Auch wenn man sie später dazu gemacht hat, war die „Percht”, die der Knecht unserer Sage schauen durfte, äußerlich sicher keine „uralte” Frau. Im Gegenteil! Die drei Bethen (Perchten) zeichneten sich insbesondere durch ewige Schönheit und unendliche Jugend aus. Wie sonst hätte die Dreifache über die Jahrhunderte und Jahrtausende alle Jahre wieder in der „Nacht der Mütter” – die Nacht vom 24. auf den 25. Dezember (!), die in der Sage auch gemeint sein könnte, weil von einer mitternächtlichen „Mette” die Rede ist – ausziehen können, um ihren Sohngeliebten zu suchen, mit dem sie dann zu Frühlingsbeginn jährlich neu fruchtbare „Heilige Hochzeit” hielt. (Vgl. die Sage vom Hochzeitskreuz unterm Falkenstein bei St. Gilgen.)

Solche „Heiligen Hochzeiten” wurden in „heidnischer” keltischer Zeit sehr realistisch nachgestellt, und es ist weiter nicht verwunderlich, dass es sich bei der Anhänger-schar der Perchten um ungetaufte, weil „heidnische”, Seelen handelt. Aber dahinter steckt noch eine tiefere Bedeutung. Die keltische Borbeth, mit der das Jahr endet und ein neues beginnt, war die holde Beschützerin und Begleiterin der Seelen in und durch die Anderswelt. Insofern wundert es uns natürlich an dieser Stelle nicht mehr, dass wir nordwestlich von Kalham am Abhang des Sonnberges – dem ver-mutlichen Ort eines keltischen Lichtkultes – in der heute dem Hl. Sebastian geweihten Filialkirche des obersteirischen Marktes nicht nur eine sogenannte Schutzmantelmadonna, sondern auch eine „Schutzmantel-Barbara” (!) vorfinden – umringt von zahlreichen verkleinert dargestellten Bergleuten, die ihr bis heute ihre Seelen anvertrauen.

Ja selbst Sebastian steht da oben nicht als einfacher „Pestpatron”, sondern wegen seiner legendären irdischen Wiedergeburt nach einer Hinrichtung mit Pfeilen. Diese sonderbare Auferstehung gehört allerdings für einen ehemaligen Sonnen- und Licht-Heros durchaus zum obligaten Lebenslauf im Tages- und Jahreszyklus. Andererseits gehörte zum Glaubensgut der Kelten und anderer vorchristlicher Kulturen die „dialektische” Überzeugung, dass wer verwundet auch heilen muss.

So steht der ehrwürdige Wastl mit seinen Pfeilen, die in der Mythologie für (Licht-) Blitze stehen, einerseits nicht zufällig an so vielen ehemaligen Lichtkultplätzen der Ostalpen. Andererseits nimmt er, in der Nachfolge von Apollon und seinen keltischen Pendants Dagda (vgl. Der Wilde Mann auf dem Fischbrunnen in Salzburg), Belenus, Grannus und Co., mit diesen Pfeilen eine Doppelfunktion ein, und steht auch als geeigneter Heiler(-Gott) da, der wie seine Vorgänger nicht zuletzt „für das Vertreiben von Krankheiten” (Cäsar) zuständig ist.

Quellen:
+ Leander Petzoldt (Hg), Sagen aus der Steiermark, München 1994;
+ Helga Maria Wolf, Das Brauchbuch, Alte Bräuche, Neue Bräuche, Antibräuche, Freiburg-Basel-Wien 1992 (Omen-Hinweis).

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Linoma Offline




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03.01.2011 14:55
#3 RE: 2. Januar Perchtentag (Holle/Hulda) antworten

Borbeth

Der Name Borbeth enthält in seiner ersten Hälfte den keltischen Stamm borm, zu dem unser warm gehört. Ebenfalls hierher gehört das keltische bor-co mit der Bedeutung strahlend, leuchtend. Dem altenglischen beorht in der Bedeutung glänzend, hell gesellt sich das althochdeutsche perahta (leuchtend, glänzend) hinzu. So bedeutet auch der Name der » Percht "die leuchtende, glänzende Göttin". Wie übrigens alle Namen, die auf -bert oder -brecht enden, an die Percht oder an Borbeth erinnern.

Zu den Bezeichnungen "warm", "leuchtend" und "strahlendes Licht" fügt sich noch der Begriff der Höhe. Unser Wort empor enthält noch das althochdeutsche por, was soviel wie "Erhebung, Höhe" bedeutet.

Borbet ist also die mütterliche, leuchtende Sonne. Von oben, aus der Höhe spendet sie uns Wärme und strahlendes Licht. Viele Orts- und Flurnamen, die mit dem Osten zusammenhängen (und im Osten geht ja die Sonne auf!) verweisen nicht nur auf » Ostara, sondern auch auf die Sonnengöttin Borbeth: Hochosterwitz, Holzöster, ...

Der Borsee in Oberösterreich erinnert an Borbeth - so auch die an den See angrenzende Wiese mit dem Namen Wildwiese an ihre Schwester Wilbeth verweist. Auch in den deutschen Städtenamen Württemberg, Bettendorf und Bitburg ist Borbeth noch zu erkennen. Ein kleines Dorf in Deutschland namens Bethen (!) rühmt sich damit, der nördlichste Marienwallfahrt Europas zu sein.

Zu keltischer und römischer Zeit hieß die Stadt Worms Borbetomagus, auch hier ist Borbeth unschwer zu erkennen. Wir begegnen ihr im Dom als Warbede wieder. Die etymologische Herleitung erklärt sich durch die keltische Entsprechung borm zum deutschen warm; so wird aus Borbetomagus (= das Feld der Borbet) im Zuge der Diphthongverschiebung und Latinisierung Warmazfeld, Warmazia, Wormazia und schließlich Worms. Der Erbauer des Doms, Bischof Burchard bezeichnete die Verehrung der drei Frauen als Sünde und gibt uns so Anlass zur Vermutung, dass die drei göttlichen Frauen sehr beliebt und der Kult um sie im 11. Jahrhundert noch sehr verbreitet war.

Die christliche Kirche machte aus Borbeth schließlich Babett, die heilige Barbara, die der kirchlichen Legende nach von ihrem Vater in einem Turm eingesperrt wurde, weil sie sich zur Christin bekannte. Als Barbara lebt Borbeth in den Heiligen drei Madl'n weiter.



[ Editiert von Administrator Linoma am 03.01.11 15:01 ]

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Linoma Offline




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03.01.2011 14:56
#4 RE: 2. Januar Perchtentag (Holle/Hulda) antworten

Percht

Ur-Ahnin, Tödin, Berggöttin, Waldfrau, Wintergöttin, Seelenführerin, Unterweltgöttin, Himmlische Spinnerin, Hebamme in Leben und Tod

Auch diese Göttin hat viele Namen: Holda, Hulda, Holla, Hollermutter, im Alpenraum auch unter Percht, Berchta, Berta; im nordeuropäischen Sprachraum unter Hel, Huldre bekannt. Der Holunderstrauch ist ihr Wohnort (Holuntar für Holunder ist althochdeutsch und bedeutet Baum der Frau Holle). In jedem Hollerstrauch wohnt der Geist der Percht. Im Englischen heißt der Holunderstrauch Elder-Tree, was Ahnenbaum heißt. Das althochdeutsche perahta, von dem sich ihr Name herleitet, bedeutet Leuchtende oder Glänzende.

Viele Städte und Straßennamen in Europa erinnern noch heute an die Göttin: Holland, Helsinki, Perchtoldsdorf, Berchtesgarden (Garten der Percht), Hollabrunn (Brunnen der Holle!), die Reinprechtsdorferstraße, die Prechtlgasse und der Schwarzenbergplatz (Platz der schwarzen Percht) in Wien; die Stadt Perg in Oberösterreich, deren Wappen sogar die alten Farben der dreifaltigen Göttin zeigt: weiß, rot, schwarz.

Sie wird oft auch mit Metall in Verbindung gebracht, vorzugsweise mit Eisen (vermutlich, weil sie ja meistens in den Bergen wohnt und dort viel Eisenvorkommen sind) und kommt daher in manchen Märchen auch als Frau Eisen vor. Und so trägt auch die Hauptstadt Burgenlands den Namen der Göttin: Eisenstadt.

Sie wohnt in Bergen, Höhlen, Brunnen und tiefe Mischwäldern. Sie hütet das Spinnen und Weben, das Garn und das Korn - ein Wollknäuel, das niemals zu Ende ist (außer du fragst sie danach) ist eins ihrer Attribute. Sie wacht über die toten Seelen und holt die Seelen der Sterbenden zu sich. Als Wintergöttin sind die Rauhnächte (25.Dezember bis 6.Jänner) ihre Zeit: Da kommt sie von den Bergen herab und sieht nach dem Rechten (sie hat einen stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn!), wobei sie nicht gerade zimperlich ist: Sie braust mit ihrem Wilden Heer wie ein Sturm durch das Land: Sie bestraft freche und/oder brutale Männer, reißt Zäune und Bäume um, lässt Fenster zerspringen; Betrunkene stößt sie in den Straßengraben oder erschreckt sie zu Tode.

Frauen und Kinder beschützt sie aber. Wenn du Angst hast, dann ruf sie, dann geht sie ein Weilchen mit dir, begleitet dich, beschützt dich. Sie nimmt dir deine Angst und macht dich wild und munter, regt dich zu aufregenden Aktionen an. Die Percht steckt in jeder Frau kleine Lichter an!

Ein weiteres ihrer Attribute - die Spindel - weist sie als alte und mächtige Göttin aus. Die Szene, in der das Mädchen mit der Spindel Wolle spinnt, bis ihre Finger bluten und sie, nachdem sie in ihrer Verzweiflung in den Brunnen springt, die Besinnung verliert, um schließlich die Göttin selbst zu treffen und eine Weile bei ihr zu bleiben und von ihr zu lernen, kommt in europäischen Märchen oft vor, z.B. in "Dornröschen", "Pechmarie & Goldmarie" uvm...

In den Rauhnächten darf nicht gewaschen, gesponnen, gewebt geputzt etc werden, denn als Schutzgöttin der Frauen sorgt sie dafür, dass wir nicht zuviel arbeiten.

Es gab und gibt auch den schönen Brauch, in den Rauhnächten für die Percht und ihrem Gefolge im Freien Speisen in kleinen Schüsseln hinzustellen (z.B eine Schüssel Milch oder Hirsebrei). Sind die Schüsseln am nächsten Tag leer, ist das ein gutes Zeichen, denn Frau Holle gilt auch als Beschützerin von Haus, Hof und seinen Bewohnern. Außerdem speiste sie so in früheren Zeiten die Ärmsten, denn was die Menschen für die Percht und ihr wildes Gefolge vor die Tür stellten, holten die armen Kinder in der Nacht ab. Wer ihren Wohnort, den Hollerstrauch umschneidet, der zieht sich ihren Zorn zu.

Die Percht ist eine Göttin scheinbar voller Gegensätze: Manchmal wird sie als wunderschöne Frau in langen weißen Gewändern beschrieben, und dann wieder als hässliche Alte in zerlumpter Kleidung und mit wirrem, zersaustem Haar dargestellt. Das eine Bild (ganz oben links) weist sie als Wintergöttin aus, zu sehen an der riesigen Schneeflocke. Ihre Jahreszeit ist der Winter - praktisch jede/r in Europa kennt das » Märchen, in dem Frau Holle ihre Betten ausschüttelt und es somit auf der Erde zu schneien beginnt! Sie steht also einerseits für das Helle und Lichte, aber auch für das Dunkle, die Zerstörung, den Tod... Darauf deutet auch ihr anderer Name hin: Hel, Hölle. Sie ist ja auch Göttin der Unterwelt!

Aber vielleicht ist die Unterwelt (oft auch Anderswelt genannt) gar nicht so dunkel und schrecklich, wie uns immer eingeredet wurde. Der Spruch "Fahr zur Hölle!" ist also dann vielleicht gar kein Fluch! Sondern eine gastfreundliche Einladung... :-)

Am Land gab es bis in die 50er Jahre noch die traditionellen Perchtenläufe, die dann einige Zeit nicht sooo modern waren und daher nicht mehr durchgeführt wurden.

Doch immer mehr Orte erkannten und erkennen den touristischen Wert solcher Veranstaltungen und führten die Perchtenläufe zum großen Gaudium der Zuschauer wieder ein. Allerdings dürfen (wahrscheinlich seit der Zeit der Hexenverbrennungen) bei diesen Perchtenläufen nur Männer mitmachen, die sich dabei als Frauen verkleiden: Sie tragen weibliche Masken und eine oder mehrere Kaurimuscheln zieren ihre "Scham"-Gegend. Ich glaube allerdings nicht, dass sie wissen, dass die Kaurimuschel ein altes Symbol für die Vulva ist...

Ganz viel früher tanzten ausschließlich Frauen in den Perchtennächten, lustvoll und wild, mit hohen Sprüngen und lauten Juchzern, und zwar so lange, bis die Percht erschien. Sie zeigte sich meist dadurch, dass sie höher oder weiter springen konnte als die anderen Frauen.
Die Perchten-Tradition ist vielleicht die wichtigste, die wir uns zurückholen sollten !

http://www.frauenwissen.at/goettinnenlexikon.php

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Linoma Offline




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03.01.2011 14:57
#5 RE: 2. Januar Perchtentag (Holle/Hulda) antworten

Zu Frau Percht, bzw. Frau Holle als Urmutter, gibt es auch einen Bezug zu der Göttin Lilith

hierzu mehr unter z.B.

topic.php?id=37

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Linoma Offline




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02.01.2012 13:01
#6 RE: 2. Januar Perchtentag (Holle/Hulda) antworten

Frau Holle geht vorbei

Reflexion über die alte Göttin, die zur Weihnachtszeit in Erscheinung tritt.

Vorweihnachtstage. Eine Mischung von Trubel, Hektik außen und erwartungsvoller Stille innen. Hier, in den Räumen, scheint sich die Zeit zu verlangsamen. Der Sekundenzeiger hält, bevor er sich entschließt weiterzuwandern immer ein wenig inne, als würde er darüber nachdenken, ob es weitergeht, als würde er bei jedem Schritt Rückfrage halten an den großen Meister der Zeit, der die Räder der Zeitordnung justiert und ihren Lauf überwacht. Denn wir stehen vor der Sonnwend, wenn die Erde kurz stille steht, um sich dann umzuwenden und wieder auf die Sonne zu zu bewegen.

Das Land ist weiß, durchzogen von Bändern graubrauner Strassen. Eine stattliche Frau geht mit großen weiten Schritten, die eher an die eines Mannes denken lassen, die Strasse entlang, am Haus vorbei. Bekleidet wie eine Bauersfrau mit ihrem Rock aus hellblauem groben Leinen und weißblau gemusterter Schürze, geschnürten Bergschuhen. Sie trägt einen Reisigbesen mit sich. Sie riecht nach Tieren. Durch die kleine Siedlung geht sie ohne anzuhalten. Es ist Frau Holle, die durch das Land geht.

Immer um diese Zeit vor Weihnachten besucht Frau Holle persönlich die Menschen und Tiere in ihrem Land. Für das ganze nächste Jahr bringt sie den Segen der Fruchtbarkeit zu Pflanze, Tier und Mensch. Sie weckt das Leben in den Wurzeln und Samen und erinnert diese an ihre Aufgabe für das nächste Jahr. Ein Rabe fliegt über ihrem Kopf. Auf ihrem Weg schaut sie, was die Menschen bereitet haben – ob sie fleißig waren und die Gaben der Natur würdigen. Dann ist sie zufrieden und hält ihre schützende Hand über sie. Diese Menschen haben dann genug Nahrung und alles was sie für den Winter brauchen.



Wer ist Frau Holle?

Frau Holle ist die Beschützerin aller Menschen, die im Einklang mit der Natur leben, vor allem für die Landfrauen, die ihre Tiere versorgen und hüten, die die Geschenke von Feld und Garten entgegennehmen und weiter verarbeiten.

Wo und wann tritt die Gestalt der Frau Holle auf?

Die Gestalt der Frau Holle erscheint als eine weibliche alte Frau, die in der Zeit vor der Wintersonnwend über die Erde geht. Mit ihrem Besen weckt sie die Pflanzenwurzeln und erinnert sie daran, dass mit der Sonnwend der Jahreslauf sich wieder der Sonne zuwendet. Als mythische Gestalt erscheint sie entsprechend der Jahreszeit überall auf der Welt, natürlich unter anderem Namen. Sie ist ein Aspekt der Volksreligion.

Unter dem Namen Frau Holle tritt sie in Mitteleuropa auf. Weiter im Norden oder im Alpenraum kennt man sie auch als Frau Percht. Ruprecht bezeichnet eigentlich den Diener von Frau Perchta. Die Perchten sind Begleiter der Frau Perchta.

Das Jahr über ist Frau Holle in der Unterwelt. Der Zugang sind Höhlen, feuchte Stellen in der Landschaft oder ein Brunnen. Der Dorfbrunnen symbolisiert die Verbindung des Dorfes mit der Naturkraft der alten Göttin.

Heilige Quellen bringen die Botschaft der Göttin. Viele Kirchen wurden ursprünglich an solchen Stellen gebaut. Inzwischen wurde der Zusammenhang vergessen. Der Quellausgang wurde verschlossen oder nach außerhalb der Kirche verlegt. Damit hat die Kirche symbolisch keinen Zugang mehr zu den Quellen der Natur. Die Kirche selber erhält keine Erneuerung und Reinigung mehr und kann den Menschen nichts mehr bieten. Die Menschen suchen woanders nach Inspirationen. Die alte Religion erfährt in den traditionellen Bräuchen der Volksreligion wieder eine neue Bedeutung. Frau Holle erscheint in ihrer ursprünglichen Gestalt.



Frau Holles Zuständigkeit

Frau Holle ist die Wächterin über den Rhythmus von Tätigkeit und Ruhe für Mensch, Tier und Pflanze. Sie gibt das Signal für die Pflanzen, wann Zeit ist für das Wachstum und Reife, sowie Ruhezeiten. Für die Menschen zeigt sie an, wann Vorräte für den Winter gesammelt und verarbeitet werden sollen. Sie überwacht die Reihenfolge der Arbeiten und Tätigkeiten des Jahreslaufs. Sie vermittelt das Wissen, wann was nötig ist, was wann zu tun ist. Dazu gehören auch die Ruhe- und Erholungszeiten. In der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr ist jede besondere Arbeit verboten. Unglück hat, wer sich nicht daran hält. Die moderne Arbeitsweise widerspricht diesen Gesetzen und hat daher Krankheiten zur Folge. Stress ist ein Ausdruck von Tun, das nicht nach den Gesetzen von Frau Holle entspricht. Diese Tätigkeiten haben nicht ihren Segen und werden keinen Erfolg haben. Sie bringen Früchte ohne Samen.

Frau Holle ist die Schützerin der Hauswirtschaft. Sie ist für alles zuständig, was in einem Haushalt nötig ist, der in Verbindung mit der Natur ist. Dazu gehört die Haushaltsführung wie Ordnung, Sauberkeit und auch Vorbereitungsarbeiten. Sie treibt zum Arbeiten an, wenn die Zeit reif ist. Sie fördert Fleiß, Bemühung, und bringt Gelingen.

Im Märchen „Frau Holle“ wird das sehr schön dargestellt: „Hol mich raus, rufen die Brote, sonst verbrennen wir. Schüttle mich, sagt der Apfelbaum, meine Äpfel sind schon alle miteinander reif!“. Dies weist deutlich darauf hin, dass jede Tätigkeit an den richtigen Zeitpunkt gebunden ist.

Frau Holle hütet das alte Wissen von einem gesunden Leben. Ihre wichtigste Pflanze ist der Holunder. Zu Ehren von Frau Holle gab es früher an jedem Hof einen Holunder. Ihn zu beseitigen bringt Unglück. In jeder Jahreszeit bringt der Holunder seine Geschenke für die Menschen. Hollerkücherl und Hollersekt von den Blüten, Hollersaft von den Beeren, der im Winter gegen Fieber hilft.

Zu den wichtigsten Gaben der Natur gehören bei uns die Äpfel und das Kraut, das als Sauerkraut das Vitamin C bereithält. All die Beeren des Waldes und Gartens werden getrocknet oder eingemacht zu Marmelade.

Ein gesundes Leben ist vor allem abhängig davon, dass der Rhythmus von Tun und Nichttun eingehalten wird.

Frau Holle ist auch zuständig für die alte Kunst verschiedener Handarbeiten und alter Techniken wie Lein weben, spinnen und stricken. Die regionalen pflanzlichen Grundstoffe sind Leinen und auch Brennessel als Nessel. Tierische Wolle von Schafen. Filzen ist eine alte Tradition. In dem Märchen Dornröschen ist sie die dreizehnte Fee, die vergessen wird und dann als alte Frau im Turm Garn spinnt. Sie brachte das Daunenbett zu den Menschen unserer Gegend, das im Märchen immer geschüttelt werden muss. Wo Federbetten geschüttelt werden, können sich keine Hausstaubmilben aufhalten.

Abends kommt sie dorthin, wo Frauen zusammensitzen und handarbeiten und erzählt ihre Geschichten und alte Weisheiten.

Der wesentlichste Aspekt von Frau Holle ist die Fruchtbarkeit, die sie bringt. Mit dem Besen werden die Mädchen, Frauen gefitzelt, berührt, wie mit einem Zauberstab. Der Besen ist aus Haselnusszweigen und macht empfänglich. Die Begleiter des Nikolaus haben oft diesen Besen mit, der jedoch seine ursprüngliche Funktion verloren hat. An manchen Orten sitzen im Sack die Kinder, die Frau Holle bringt und im nächsten Jahr geboren werden sollen. Woanders bringt sie die Kinder unter ihrem Rock mit in die Wohnung der Menschen..........und vielleicht bleibt eines davon dann hier.

Ohne den Segen von Frau Holle gibt es keine Fruchtbarkeit. Wenn Frau Holle nicht einbezogen wird, besteht die Gefahr, dass die Zeit stehen bleibt. Das geschieht, als Dornröschen erwachsen wird und Frau werden soll. Es fehlte der Segen von Frau Holle bei der Geburt. Damit stagniert die Persönlichkeitsentwicklung.

Im Märchen Frau Holle wird der Grund genannt, der es nötig macht, Frau Holle aufzusuchen. Das Mädchen hat zu bluten begonnen, zum ersten Mal ihre Periode bekommen, symbolisiert durch die blutige Spule. Um zur Frau zu werden braucht sie die Einweihung durch die Frau Holle. Dies geschieht, indem sie sich auf den Weg macht. Die Spule fällt ihr in den Brunnen. Der Weg führt in die Unterwelt. Schamanen haben drei Richtungen, in denen sie wandern können: In die Oberwelt, Mittlere Welt oder Unterwelt. Germanisch hel bedeutet hell, Holle, wurde durch das Christentum zur Hölle. Dadurch wurde uns die Unterwelt und damit der Zugang zur Erde verschlossen. In der Pubertät braucht es die Weihe der Frau Holle, um zur Frau zu werden. Das ist die Aussage des Märchens. Aber um Erfolg zu haben ist auch aktives Bemühen und eigene Entscheidungsfähigkeit nötig. Dann kommt der Segen der Frau Holle über die junge Frau. Die meisten Schwierigkeiten im Zusammenhang mit dem Frau Werden von jungen Mädchen, wie Menstruationsbeschwerden beruhen auf diesem Thema.

Hebammen stehen natürlich speziell unter dem Schutz von Frau Holle. Nur mit ihr gelingt die Geburt ohne große Probleme (siehe Dornröschen).

Die Märchen, die an den langen Winterabenden erzählt werden, handeln von Armut und dem plötzlichen Glück, das durch einen edlen Spender gewährt wird. Dahinter steht wiederum das Thema der Frau Holle, Gaben zu bringen für die, die brav und fleißig waren, das heißt, diejenigen, die in Verbindung mit der Natur leben, sie wertschätzen und würdigen. Leider wurde die Forderung nach Bravsein vom Bürgertum benutzt, um Mädchen einzuschränken und ihres natürlichen Selbstbewusstseins zu berauben. Gemeint ist hier der Gehorsam nicht den Menschen gegenüber, sondern gegenüber der Natur, als deren Repräsentantin die Frau Holle gilt. Das Motiv des Schenkens wurde vielfach geändert. Um von der alten Göttin abzulenken, stellte man die männliche Figur des Nikolaus in den Vordergrund, der jetzt mit dem Sack der Frau Holle auftritt. In seinem Mythos, in dem es darum geht, dass zwei arme Mädchen nur heiraten können, wenn sie genug Geld haben, scheint aber noch immer das alte weibliche Thema der Fruchtbarkeit als Gabe durch. Die traditionellen Gaben des Nikolaus waren Äpfel und Nüsse, Attribute der alten Göttin.

In anderen Ländern, z. B. den Anden, ist es die Pacha Mama, die große Mutter, die von der Landbevölkerung verehrt wird. Zuweilen treffen auch heute noch einsame Wanderer eine alte Frau auf ihrem Weg, die ihnen etwas zu essen anbietet und danach plötzlich verschwunden ist.

Weihnachten als Zeit der Wunscherfüllung ist tief im Bewusstsein verankert. Wünsche sind dabei wie die Samen, die die Erweckung brauchen um sich mit dem Segen der Göttin zu materialisieren.

Frau Holle ist die Hüterin der Familie im Sinne einer Lebensgemeinschaft aller Angehörigen. Hier wird nicht die Kleinfamilie verstanden, sondern die Eltern mit Kind und allen Menschen und dem Getier, was zu der Lebensgemeinschaft dazugehört. Die Weihnachtsgeschichte mit Hirten, Maria und Josef und dem Jesuskind spielt bei uns in einer bayerischen Landschaft im Schnee. Der Brauch, eine Krippe aufzustellen, entstammt nicht der Bibel, sondern der hiesigen Volkskultur in ihrem reichen Wissen.

Reichtum als Ergebnis einer harmonischen Beziehung von Mensch und Natur. Dargestellt wird hier, wie der Mensch in Harmonie mit der Natur leben kann. Das bedeutet, dass der wahre Reichtum nicht in Äußerlichkeiten und Konsum zu finden ist, sondern im Zusammenleben von Frau und Mann mit den Haustieren in Hof und Feld. Alles ist da. Es ist keine ärmliche Krippe, die hier dargestellt ist, sonst würde niemand an einem wichtigen Festtag eine Krippe aufstellen. Die alte Mütternacht, die den Müttern geweihte Nacht war schon immer ein Fest der Natur. Denn es ist die Mutter der Natur, die hier gefeiert wird in Form eines Familienfestes. Die Geburt eines Kindes findet nicht in einer Stadt statt, sondern draußen in einer Hütte, nahe der Natur, zusammen mit all den Tieren. Die Wiedergeburt des Lichts wird symbolisiert als Christkind, ein Fest, das schon im alten Rom gefeiert wurde als Sol Invictus. Das Licht wird in die Welt gebracht, durch ein Kind. Dort wo die größte Armut ist, erscheint der größte Reichtum.

Zugleich gibt es einen Hinweis für unsere Zeit. Fruchtbarkeit in Form von Innovationen und Wachstum.

Frau Holle bringt Schönheit und Jugend für die, die ihre Gesetze befolgen. Sie bringt Erneuerung und erscheint an manchen Orten zu Weihnachten als Christkind, einem Mädchen in weißem Kleid.



Die Attribute der Frau Holle

Zu Frau Holle gehört der Sack des Reichtums und die Rute der Fruchtbarkeit.

Als Bekleidung der Rock, unter dem sich die Kinder verbergen, die im neuen Jahr geboren werden.

Tore zum Reich der Frau Holle sind Brunnen, Teiche, Quellen, Grotten und Höhlen.

An den Attributen kann man sie erkennen. In allen Ländern erscheint sie damit unter anderem Namen.

In Zypern z.B. hat die Göttin als Aphrodite ihren Ort in einer Grotte mit einem Teich im Nordosten der Insel genannt als Bad der Aphrodite.


Wirklichkeit oder Schein. Was hat Bedeutung?

Was ist Wirklichkeit? Was ist Schein? Was sollte man ernst nehmen? Was hat Bedeutung? Ein Kunstwerk z.B. kann einen großen Einfluss ausüben. Auf die Menschen, die es betrachten, kann es harmonisch, beruhigend wirken oder anregen, Impulse vermitteln. Es kann durch seine Gestaltung Ordnung oder Chaos vermitteln. Genauso wie äußere Bilder und Formen, z.B. in der Architektur, wirken innere Bilder. Träume, Phantasien sind die Grundlage unserer Stimmungen und schaffen Atmosphäre, in der wir uns wohlfühlen oder uns in Unruhe versetzen.

Farben, Stimmungen, Gefühle benutzt die Werbung in der modernen Zeit. Sie sind Grundlage von Handlungen und Kaufentscheidungen. Nicht rationale Argumente zählen, sondern unsere Assoziationen.

Schon immer war dies die Methode der großen Religionen. Heute sind die Bilder und Gestalten des Christentums verarmt, haben ihre Wirkung verloren. Der Protestantismus wollte nur die falsche Benutzung von Heiligen durch die katholische Kirche anprangern, verlor jedoch dadurch den Zugang zur mythischen Seite des Menschen. Damit eröffnete er den Weg für die Industrialisierung und moderne Marktwirtschaft. Das Bedürfnis nach Bildern macht sich die Wirtschaft als Markt zu Nutze. Sie baut Marken auf, deren Produkte gekauft werden. Dabei benutzt sie alles, was ihr dient ohne rationale Kriterien oder Wertvorstellungen. Vor allem Ängste erzeugen einen Sog, der Menschen dazu bringt, das Produkt zu kaufen, das ihnen Sicherheiten verspricht. Der Weihnachtsmann ist eine Gestalt, die von der Werbung aufgebaut wurde, speziell von der Firma Coca Cola.



Christlicher Glaube als Gefäß für den alten Volksglauben

Die offizielle Kirche ließ für anderes als der offiziellen Lehrmeinung keinen Raum. Das Alltagsleben des Volkes hatte als Grundlage die alte Religion mit ihren Ortsheiligen. Diese bekamen jetzt neue christliche Namen, damit die Traditionen weiter ausgeübt werden können. Für Frau Holle konnte kein rechter Ersatz gefunden werden. Nur der mütterliche Aspekt konnte in Maria als Mutter Jesu ausgedrückt werden und nahm den Platz als Mutter aller Kinder Gottes ein. So konnte der weibliche Aspekt der Weihnacht als Mütternacht bewahrt werden und strahlt weiterhin seine Kraft aus.

Frau Holle als Märchen oder Realität?

Bilder haben nur eine Wirkung, wenn eine Wirklichkeit dahintersteckt. Diese muss sich immer wieder erneuern. Wenn ein inneres Bild immer wieder erscheint, obwohl es von Außen keine Förderung erfährt, muss man ihm eine eigene Wirklichkeit zusprechen. Dies trifft auf die Gestalt der Frau Holle zu. Die meisten traditionellen Bräuche der Weihnachtszeit lassen sich nicht aus der christlichen Religion ableiten. Das meiste wurde jahrhundertelang bekämpft. Trotzdem erscheint es immer wieder. Dabei haben rationale Argumente keine Relevanz.

Innere Bilder sind psychische Tatsachen. Frau Holle als Archetyp im Sinne von C.G. Jung hat ihre Wirklichkeit. Insofern existiert sie.



Die Wirklichkeit hinter der Zeit

Es gibt eine Wirklichkeit, die unabhängig ist von Geschichte, von menschlicher Entwicklung, von Auffassungen und Geistesgeschichte des Menschen wie Aufklärung etc.. Die Hüter der Elemente, die Wächter der zeitlichen Ordnung, der Abläufe von Wachstum und Reife in der Natur kennen nur den ewigen Kreislauf. Diese Hüter und Wächter sind Gestalten. Zu diesen gehört Frau Holle. Sie ist zeitlos und wirkt unabhängig von menschlichen äußeren Geschehnissen. Diese Gestalten weben das Netz hinter der sichtbaren Realität, aus dem die Geschehnisse und Ereignisse werden. Sie sind der Grund für Entwicklung und Wachstum auf jeder Ebene. Diese Gesetze sind die morphogenetischen Felder eines Rupert Sheldrake, der nicht umsonst Rupert heißt und damit auf Frau Percht hinweist. Der Untertitel seines Buches „Das Gedächtnis der Natur“ heißt: „Das Geheimnis der Entstehung der Formen in der Natur.“ Es zeigt, dass sein Wissen aus der Quelle kommt und direkt von Frau Percht inspiriert ist.

Frau Holle hütet das Leben der Natur. Überall wo Leben entsteht und Wachstum ist, war sie vorher anwesend, hatte sie vorbeigeschaut. Kein Kind kommt ohne sie auf die Welt. Sie ist ein Mythos, eine Märchengestalt, die aber nichts desto trotz wirksam ist und daher Realität. Sie ist wahrnehmbar für diejenigen, die sie sehen wollen, sie gibt Rat denjenigen, die sich an sie wenden. Ihr Wissen ist zugänglich. Ihr müsst nur hinausgehen auf die Felder zu den Hecken und Rainen. Im Sommer wachsen dort ihre Blumen. Und wenn ihr genau aufpasst, hört ihr im Rascheln des Grases oder im Raunen der Blätter des Baumes ihre Worte. Sie ist allgegenwärtig dort, wo die Natur Raum hat. Im Winter ist sie mit dabei, wenn Frauen zusammensitzen beim Handarbeiten oder Backen. Es ist ihre Stimme, die dann mahnt: „Wir Plätzchen sind schon ganz durch, holt mich raus!“

© Liane Laschtuvka-Reyes, 19. Dezember 2008

http://www.iivs.de/home/Liane.LaRe/Theme...inter-holle.htm

Die Wahrheit wiegt meistens schwer.

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