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 Götter div.
Linoma Offline




Beiträge: 1.500

09.04.2011 10:24
RE: Aton antworten

Mit Aton ist die sichtbare Sonne gemeint. In alt-ägyptischen Formeln ist Aton der Körper oder Leib der Sonne Re (bzw. Atum). Deshalb wird auch der König nicht nur als Re, sondern auch als Aton bezeichnet.


Aton wurde im Laufe der Zeit als eigenständiges Wesen verstanden. Aton wurde personifiziert. Dies scheint schon in der 18. Dynastie der Fall gewesen zu sein. Denn in den Schriften folgt hinter dem Namen des Aton das hieroglyphische Zeichen des Gottesdeterminatives. Aton ist also eine Form des Sonnengottes. Allerdings wurde er vorerst weder verehrt, noch genoss er einen eigenen Kult.

Kosmischer Gott - Reinigung der Lehre

Erst, als Amenophis IV (Echnaton) an die Macht kam, wurde Aton mehr und mehr zu einem universalen Gott. Schon in der Lehre von On (siehe Neunheit) wurde der Weg zu einer solaren monarchischen Gottheit geebnet. Allerdings hemmten die großen Ortsgötter vorerst diese Entwicklung. Sie erhoben selbst den Anspruch, sich mit dem Beinamen des Re zu schmückten. Dadurch wurde Re verhüllt. Zu viele Gottheiten trugen seinen Namen als Beinamen.

König Amenophis IV (Echnaton) war von der Wahrheit der Lehre des On's (Heliopolis) zutiefst überzeugt. Er kehrte zurück zu ihren Wurzeln. Er wollte die Vorstellungen über den Sonnengott Aton klären. In seiner frühen Regierungszeit spricht er von Re-Harachte, "der im Horizont lebt, in seinem Namen Schu, welcher der Aton ist".

Auffällig daran ist, dass er nicht, wie üblich zu Formeln wie Re-Atum, Re-Amun etc. zurückgreift. Er verfasst hingegen eine klärende Formel, wie das Wesen des Gottes zu verstehen ist. In der Formel wird Bezug genommen zu der ältesten Form des Sonnengottes. Das bedeutet, dass es sich um eine kosmische Kraft handelt. Dadurch wurde Aton quasi gereinigt. Die Formel selbst endet beim sichtbaren Sonnenball, der früher Re war.

Die Grenzen wurden also mit der Formel, nicht wie üblich erweitert, indem zusätzliche Wesenszüge anderer Götter mit einbezogen und verschmolzen wurden. Im Gegenteil. Es wurde zum kosmischen Wesen zurückgekehrt und damit eine Verengung vorgenommen.



Der Machtzuwachs Atons


Der Schwerpunkt in der frühen Regierungszeit von Amenophis IV lag immer noch bei Re-Harachte.

Amenophis IV entwarf ein neues Bildnis. Es handelte sich um keine Umprägung eines alten Bildes. Aton wurde als sichtbare Sonnenscheibe dargestellt, dessen Strahlen herab fallen. An ihren Enden befinden sich Hände. Manchmal trug die Sonne das Symbol des Ankh (siehe Abb.). Mit diesem Bildnis verschob sich der Schwerpunkt von Re-Harachte zu Aton. Alte Traditionen fingen an, sich zu lockern.


Ein weiterer Schritt des Königs bestand darin, eine Stadt zu bauen: Achet-Aton. Das begründete er mit einer göttlichen Eingebung. Hier sollte sein neuer Regierungssitz entstehen. Das hatte nicht nur politische Gründe. Es mochte wohl auch ein anderer Wunsch in ihm lebendig geworden sein. Er wollte seinem neuen Gott bzw. diesem als neu empfundenen Gott eine eigene Stätte geben. Damit wurde Aton ein großer Ortsgott. In der neuen Hauptstadt konnte er nämlich eindeutig an die Spitze gestellt werden.

Noch bevor Amenophis IV in seine neue Stadt zog, änderte er seinen eigenen Namen um in Echnaton. Nicht mehr "Amun ist zufrieden" (-> Amenophis) sondern "es gefällt Aton" (-> Echnaton) bedeutet sein Name. Der Namenswechsel ist wohl der schärfste Einschnitt in der Geschichte einer Verkündung des Königs.

Universaler Gott

Mit dem Namenswechsel wurde ein Bruch mit Amun gemacht. Erst mit seiner Namensänderung wurde Echnaton einiges klar. Er musste durch den Bruch mit alten Überlieferungen hindurchgehen. Es reichte nicht aus, den Namen Atons zu reinigen. Angriff und Verfolgung waren die notwendigen Folgen.

Bilder und Namen von alten Göttern wurden zerstört, wo immer man sie fand. Das betraf auch das Wort "Götter". Am stärksten war die Stadt Theben betroffen. Sie war die Stadt des Hauptfeindes Amun. Alte Gebete wurden durch Gebete an Aton ersetzt, wie z.B. im Bereich des Totenkultes.

Echnatons Anfangs- und Lehrformel war mit dieser Wendung nicht mehr vereinbar. Deshalb wurde sie verändert, Ihr Inhalt: "Es lebt Re, der Herrscher der beiden Horizonte, der frohlockt im Horizont, in seinem Namen als Vater des Re, der wiedergekommen ist als Aton".

Harachte und Schu wurden also herausgenommen. An dem Namen Re nahm Echnaton keinen Anstoß. Er verwendete ihn weiter. Denn Re und Aton sind eng miteinander verbunden.

Aton ist der Vater von Re, also noch ursprünglicher als Re. Außerdem ist er wiedergekommen, offenbart sich also aufs Neue explizit. Er ist gereinigt vom alten Ballast der Vermischung und Verschleierung (Verschmelzung mit anderen Gottheiten). Des Weiteren wird klar, dass es sich bei Aton nicht um eine Neuschöpfung handelt. Er ist jemand, der wieder gekommen ist.


Sonnengott - lebensspendende Sonne

Der ägyptische Gott Aton ist der Herr aller Länder. So wie die Sonne die Welt umkreist, ist er die ganze Welt. Aton ist weder Nationalgott noch Weltgott. Er ist beides zugleich. Beides gehört zusammen. Ägypten ist die Welt - es gibt in dieser Zeit keine andere.

Atons Machtbereich wurde zuerst kontinuierlich, dann mit Gewalt erweitert. Über sein Wesen ist nichts Neues zu erfahren: Alles, was lebt, kann nur leben, weil die Sonne Wärme und Licht spendet. Nur die Herrlichkeit Atons wird gepriesen, nicht seine versengende Glut oder sein verzehrendes Feuer. Atons Wesen zeugt von Liebe und Fürsorge. Von Gottesfurcht und Verboten ist nicht die Rede.

Der König selbst aber gibt durchaus sittliche Orientierung mit dem Gesetz der Maat. Hier bleibt der König den Überlieferungen treu. Das verwundert nicht, denn Maat und Re gehören zusammen. Mit seinem Drang die Wahrheit ans Licht zu bringen, stellt er sich gleichzeitig unter das Gesetz der Maat und des Re.

Atons Niedergang

Doch weiter geht Echnaton nicht. Aton bleibt mit seiner schöpferische Allmacht unantastbar und allgemein. Nicht aufgrund von Gesetzen oder Geboten, sondern aufgrund der schöpferischen Allmacht von Aton ist der Mensch auf ihn angewiesen. Vermutlich ist auch das eine der Gründe, warum nach dem Abgang des Königs seine Änderungen nicht ausreichten, seine neue Religion weiterzuführen. Mit Begeisterung und Hingabe allein lässt sich keine neue Lehre durchsetzen. Ihr fehlt der (ethische) Orientierungs- und Handlungsaspekt, welcher erst eine Religion begründet.

Mit Güte, Freundlichkeit und gutem Willen bleibt Aton ein kosmischer Gott. Er erschuf einmalig die Welt. Es folgten keine weiteren Handlungen, weder für Aton noch für die Menschen. Damit bleibt die Gotteserkenntnis des Königs hinter der alten Religion zurück.

Man kann Aton nicht einmal mit einer Naturgewalt parallelisieren. Ihm fehlt der zerstörerische Aspekt, der erst die Spannung und Dynamik des Lebens wieder spiegelt. So wurde nach dem Abgang des Königs im Kampf gegen Aton die Spannung und Dynamik des Lebens wieder bewusst empfunden und offen gelebt.

Als Echnaton starb, starb ebenfalls Aton. Atons Heiligtümer wurden verlassen. Sie verödeten oder wurden zu Baumaterial verwendet. Sein Sohn Tutenchamun sagte sich von Aton los und kehrte zurück zur alten Religion. Die Hauptstadt wurde wieder nach Memphis zurück verlegt.

http://www.aegypten-geschichte-kultur.de/aton-sonnengott

Die Wahrheit wiegt meistens schwer.

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