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 Von Ra bis Horus
Linoma Offline




Beiträge: 1.500

09.04.2011 15:16
RE: Magie und Zauberkraft im alten Ägypten(Heilwissen) antworten

Heilwissen und Magie

Die Zubereiter von Arzneien waren „Verleiher der Sicherheit“. Die zugehörige Hieroglyphe ‚Ph-ar-maki’ bezeichnet erstmals den Pharmazeuten. Neben pflanzlichen und tierischen standen den Pharmazeuten auch mineralische Arzneistoffe zur Verfügung, denn in Ägypten waren Metallscheidekunst und Metallveredlung früh bekannt. Was nicht in eigenen Bergbaubetrieben erschlossen werden konnte, kam vom Ausland. So bestanden schon früh Handelsbeziehungen zum Weihrauchland Punt und zu den afrikanischen Küsten; auch aus der ägäischen Inselwelt und den Ländern des fruchtbaren Halbmondes wurden Handelswaren importiert. Zu den Tauschobjekten gehörten neben Mineralien vor allem Hölzer, Elfenbein, Edel- und Halbedelsteine, Töpferwaren und kosmetische Artikel. Der Handel reichte weit in die Gebiete Asiens hinein. Die Sabäer der südarabischen Wüstengebiete traten als bevorzugte Zwischenhändler auf. Mit ihnen gelangte das Erdpech und damit Asphalt als Heilmittel bei Hauterkrankungen ins Nilland. Durch ihre Verbindung mit der Handelsmacht Phönizien knüpften die Ägypter Beziehungen zu den fernen Regionen Spaniens und den Landstrichen am Schwarzen Meer.

Wir müssen davon ausgehen, dass bewährte heilwissenschaftliche Erfahrungen sehr oft mit magisch-esoterischen Vorstellungen vermischt worden sind. Ursache, Verlauf und Heilung von Krankheiten wurden überirdischen Kräften zugeschrieben. Einige Historiker erklärten deshalb Ägypten zum Land der Magie schlechthin. Der „sympathetische Magier“, der Gleiches durch Gleiches kurieren wollte, war dominierend. Die Rezitation von Formeln und die Befolgung vorgeschriebener Rituale waren traditionell feste Bestandteile der Heilbehandlung. Mit Hilferufen an die Götter wollte man deren mitfühlendes Erbarmen gewinnen, denn nach damaliger Auffassung waren die Götter ähnlichen Beschwerden wie die Menschen ausgesetzt. Den ärztlichen Traumdeutern dürften die Tiefenschichten der menschlichen Seele bekannt gewesen sein, genauso, wie sie in den Praktiken des Tempelschlafs Suggestion und Hypnose anwendeten. Dies traf vor allem auf die höchste Priesterkaste zu. Die ältesten bekannten Traumbücher und ihre Auslegungen stammen aus der Zeit um 2000 v. Chr.

Die Magie ist akausal und suggestiv. Bei untergründiger Angst vor den Problemen des Lebens hoffte der Mensch, durch Magie die dämonischen Kräfte zu besiegen und dadurch seine Lebensprobleme zu bewältigen. Mit Zauberformeln, die teilweise monoton rezitiert wurden, und durch festgelegte Beschwörungsrituale sollte Ungemach gebannt erden. Amulette und Talismane boten Schutz und stärkten die Abwehr von Unglück und Krankheit. Seit frühester Zeit stand dem Menschen eine Fülle von Zaubermitteln zur Verfügung. In Ägypten war Hike die personifizierte Zauberkraft. Er war der älteste Sohn des Urgottes Atum, der alles Seiende hervorgebracht hatte. In Heliopolis und im Nekropolengebiet von Memphis bezeichneten sich die Ärzte von alters her gern als seine Priester.

Der Magier konnte böse Geister, Schlangen und Skorpione vertreiben und beherrschte die Kniffe der Entzauberung, wobei er arglistige und Unheil bringende Kräfte unschädlich machte oder vernichtete. Überall, wo ärztliches Heilwissen und therapeutisches Vermögen versagte, erhielt die Magie den Vorzug. Die Zahl der Amulette wuchs dann ins Unermessliche. Mit der Zeit bildete sich ein niederes Priestertum heraus, das mit primitiven magischen Mitteln und raffinierten Zauberformeln das Volk beeinflusste. Dazu gehörten Heilmaßnahmen, die zwar überkommene Erfahrungen berücksichtigten, aber unter Berufung auf Schutzgottheiten vollzogen wurden. Der Horusknabe wurde, mit seinen Händen götterfeindliche Tiere würgend, auf Stelen abgebildet, die damit bei Schlangenbissen und Skorpionstichen besonders heilwirksam sein sollten.

Die Farben besaßen Symbolwert. Schwarz versinnbildlichte die Erneuerung und zugleich die Nacht, die in ihrem Schoß die Sonne birgt. Rot war die Farbe des Bösen und der Trockenheit, die beide mit dem unfruchtbaren Gott Seth in Zusammenhang standen. Gelb als Farbe des Goldes zeigte göttliches Leben an. Grün stand für Gesundheit und Entfaltung, während Weiß die Farbe der Reinheit war. Blau, wahrscheinlich vom Glück bringenden Türkis hergeleitet, war die Farbe der Freude und der Götter. Der golden eingeschlossene Lapislazuli glich dem von Sternen durchsetzten Himmel und war deshalb der heilige Stein der Himmelsgöttin Nut.

Von Idolen versprachen sich die Menschen Sicherheit und das Wohlwollen der Überirdischen. Das „Hellauge“, das Udjetauge, wurde als Falkenauge angesehen und verbürgte körperliche Unversehrtheit. Es gewährleistete ein gutes Augenlicht und garantierte Fruchtbarkeit. Der Djetpfeiler, zu Ehren von Osiris und Ptah verwendet, war einst als vordynastischer Fetisch ein Versöhnungszeichen für die Lebenden und die Verstorbenen. Krankentexte überliefern Richtlinien, nach denen jeder menschliche Körperteil einem adäquaten Gott zugeteilt war, der bei Gefahr für Leib und Leben helfend eingreifen konnte. Dämonen vermittelten den Schutz der Götter vor Krankheit, Gebrechen und Unglück. Die Masse des Volkes glaubte an Magie und neigte dazu, sich der Allgegenwart der Götter zu vergewissern.

Im magischen Denken war es üblich, Bilder und Skulpturen, die Feinde darstellen sollten, mit scharfen Gegenständen zu durchbohren, um damit den Widersachern Schaden zuzufügen. Die Zerstörung der Namenskartusche bedeutete die Vernichtung des Gegners. Ein abgeschlagener Statuen-Kopf kam dem Tod des Abgebildeten gleich, und abgebrochene Standbildfüße behinderten seine weitere Fortbewegung. Nicht selten wurde die Göttin Selket bemüht, um unter magischen Sprüchen Feinde zu vernichten. Sie war die göttliche Vorsteherin einer Gilde von Heilern und Zauberern, die sich als ihre Propheten bezeichneten. Ihr Name erinnerte den Ägypter an das gefährliche Spinnentier Skorpion, das mit seinen Giftstacheln sogar dem Menschen gefährlich werden kann und dessen Toxine Kleinkindern und Kleintieren den Tod bringen. Selket wurde zur zauberkundigen Gottheit und Beschützerin der Toten. Man verwendete bei Grabinschriften anstelle ihres Abbildes das des harmlosen Wasserskorpions, um damit ihre Bösartigkeit zu mildern. Als Sternbild war der Skorpion ein Unheilszeichen, das den Astrologen Herbststürme, Zerstörung der Vegetation und Krankheiten ankündete.

Auch Steine galten seit Urzeiten als zauberkäftig. Ein bestimmter Stein konnte metaphysische Wirkungen auslösen, die gute und böse Kräfte freisetzten. Manchmal waren umfangreiche Rituale dazu notwendig Gebete, Zaubersprüche und Exorzismen. Die ungeheure Vielfalt der Steine und ihre immense Quantität beschäftigten die Phantasie der Menschen seit jeher. Sie gipfelte in der Vorstellung vom „Stein des Lebens“, der Gesundheit und Glück brachte. Zauberkräftige Steine wurden aus großer Ferne herbeigeschafft. Sie dienten in Beschwörungsritualen dazu, die beleidigte Gottheit zu versöhnen; heiße Steine konnten Verhexungen aufheben. Eingravierungen erhöhten ihre magischen Möglichkeiten, gegen Zauberei, Unheil oder Krankheit zu wirken. Nicht selten wurden Steine als Amulett getragen, um vor den Bosheiten der Dämonen zu schützen. Halsketten multiplizierten diese Wirkung, und Halbedelsteine erhöhten die Glaubwürdigkeit des Abwehrzaubers. In der babylonischen Steinliste war der blassblaue Achat ein Apotropäikum für ein verändertes Augenlicht, und der Augenstein bot Schutz gegen den „bösen Blick“. Der rotfarbene Jaspis, der Hämatit und der Karneol besaßen Heilkräfte bei Blutfluss, Körperschwellungen und blutenden Wunden.

Der Edelstein stand für Pracht und Reichtum. In kultischer Verwendung reinigte er wie das Messer, das zu Kulthandlungen benutzt wurde. Das Steinbeil der Druiden entsühnte und befreite von körperlichen und seelischen Leiden. Es schützte vor Kummer und Sorge. Steine waren ein glaubwürdiges Zauberschutzmittel, das Frauen am Gürtel für oder gegen Schwangerschaft trugen. In unterschiedlichsten Formen galt der Gürtelstein auch als Amulett gegen Krankheit, Pestilenz und Verhexung, wobei die Wirkung noch größer war, wenn es sich um einen Lochstein handelte – denn er wurde mit der Vulva gleichgesetzt. Steinkugeln standen in Beziehung zum kosmischen Geschehen, da sie als Zeichen der Sonne Heilscharakter hatten. Meteore waren sichtbare Erscheinungen des Himmels; und der steinerne Thron, meist den Göttern vorbehalten, war Symbol magischer Kraft.

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Die Wahrheit wiegt meistens schwer.

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