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Dieses Thema hat 4 Antworten
und wurde 223 mal aufgerufen
 Magische Symbole und Hilfsmittel
Linoma Offline




Beiträge: 1.500

05.04.2010 11:59
RE: Runen antworten

Man unterscheidet allgemein in ein Älteres und ein Jüngeres Futhark. Das Wort "Futhark" selbst ist nichts anderes als eine Zusammenfassung der ersten Buchstaben des Runenalphabets, nämlich "f, u, th, a, r und k".
Früher wurden die Runen in Stein geritzt oder in Holzstäbe geschnitzt, unser heutiges Wort "Buchstabe" rührt noch daher: In der Zeit des Althochdeutschen bestanden Bücher aus zusammengehefteten Buchenholztafeln, in die man "Stäbe" schrieb. Es gilt als sicher, daß wir nur einen winzigen Bruchteil aller Runeninschriften kennen, da die überwiegende Mehrzahl auf wenig beständigen Materialien wie Holz, Leder und Stoff angebracht wurden, so daß nur sehr wenig erhalten geblieben ist.

Der bisher älteste Runenfund ist die Brosche von Meldorf an der Westküste Jütlands, die auf etwa 50 v.Chr. datiert wird. Das Ältere Futhark kennt vierundzwanzig Stäbe.

Es gibt aber auch Futharks, beispielsweise das Angelsächsische und Friesische, mit dreiunddreißig Stäben.

Ebenso Futharks, die eine Reihe von dreiundzwanzig oder sogar achtundzwanzig Stäben aufweisen. Auch eine Weiterentwicklung der 24er-Struktur auf eine Reihe mit sechsundzwanzig Stäben ist nachweisbar.

Im 7. Jahrhundert entwickelte sich aus dem Älteren das Jüngere oder Nordische Futhark mit seinen sechzehn Stäben.

Die Abbildung zeigt drei bekannte Futhark-Reihen.

Erwähnen müssen wir auch noch, daß im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert im Rahmen der damaligen Runen-Renaissance vor allem durch den österreichischen Romancier und Runenforscher Guido (von) List (1848-1919) ein neues, 18er-Futhark aufkam, das die praktische Runenarbeit im deutschsprachigen Raum bis heute geprägt hat. List und seine Anhänger, die ihn wie einen Propheten verehrten und es teilweise noch bis heute tun, gingen davon aus, daß es ein "wahres" 18er-Alphabet der Runen gegeben haben müsse, von dem jeder Stab einer der achtzehn Eddastrophen des Odinslieds entspreche. Diese Reihe ist jedoch profanhistorisch nicht nachweisbar, und inzwischen arbeiten immer mehr Runenkundige wieder mit dem Älteren Futhark, dessen Möglichkeiten noch lange nicht ausgelotet erscheinen.


Vier Futharks:
a) das Ältere Futhark:


b) das Angelsächsische Futhark:

Über die Entstehung des Futhark gibt es, wie bereits erwähnt, verschiedene Theorien, von denen einige in der Fachwelt heute als veraltet gelten, während die Runenforschung sich noch immer nicht ganz einig ist, für welche Theorie sie sich eindeutig entscheiden soll. Das Spektrum reicht dabei von der Erklärung, daß die Runen sich aus dem römischen (lateinischen) Alphabet entwickelt hätten über die Behauptung, sie seien eine eigenständige Entwicklung der altgermanischen Völker bis zu der These eines etruskischen Ursprungs. Auch eine "griechische Theorie" wurde vorgeschlagen, derzufolge die Goten am Schwarzen Meer in Berührung mit der griechischen Kursivschrift gerieten und daraus die Runen entwickelten. Im Augenblick scheint allerdings die Mehrheit der Gelehrten die etruskische Theorie zu bevorzugen.

Bei allem oben Gesagten werden die Runen zunächst nur als Bestandteile einer Schreibschrift betrachtet. Doch hieße es ihre Bedeutung zu verflachen, wenn wir uns allein darauf beschränkten. Tatsächlich stellt der Gebrauch der Runen zu anderen als kultischen und magischen Zwecken wohl eine späte Form der Dekadenz dar: Denn zunächst dienten sie ausschließlich dem Zauber und dem Zugang zur göttlichen Macht. Jede Rune stellte eine eigene Kraft dar, die der Runenkundige erfahren, zähmen und beispielsweise auf einen Gegenstand übertragen konnte, etwa um daraus ein Amulett oder einen Talisman zu machen. Die Runen nur als Schreibschrift zu deuten ist so, als würden wir heute anfangen, aus den 64 Trigrammen des chinesischen I Ging ein Alphabet zu machen, mit dem wir unsere tägliche Einkaufsliste schreiben. Eine absurde Vorstellung? Und doch wurde mit den Runen bisher meistens so verfahren.

Aber was meinen die alten Mythen und Legenden zur Entstehung der Runen? Wie alle Sakralschriften der Menschheit sollen auch sie der Überlieferung zufolge göttlichen Urprungs sein: Odin empfing sie als Vision, während er neun Tage und neun Nächte qualvoll am Baum hing. Im Lichte der heutigen Ethnologie/Anthropologie erscheint es sehr wahrscheinlich, daß es sich bei diesem Martyrium des Gottes tatsächlich um die Einweihung eines Schamanen handelte, zumal einiges dafür spricht, daß Odin ursprünglich eine historische Gestalt gewesen ist, die im Laufe der Zeit zum Gott erhoben wurde.

Demzufolge wären die Runen die Vision eines altgermanischen Schamanen oder Stammeszauberers, wären sie intuitiv empfangen und danach weiterentwickelt worden. Damit aber befinden sie sich in bester Gesellschaft, denn auf ähnlichen Visionen gründen sämtliche Weltreligionen, ja fußt alle Magie überhaupt. Ob wir Moses Offenbarung der Zehn Gebote, Buddhas Erleuchtung oder Mohammeds Empfangen des Heiligen Koran betrachten, stets finden wir einen Religionsstifter vor, der in einem nichtalltäglichen Bewußtseinszustand Wissen empfing oder aktivierte, das sein eigenes Leben und das seiner Anhänger entscheidend verändern und prägen sollte.

Ebenso Odins Schau: Auch wenn sich der historische Urschamane, den man später als "Gott" Odin verehrte, im Dunkel der Urgeschichte verlieren mag, führte doch seine Vision zu einem eigenen Kult, dem Odinismus, der in manchen abgelegenen Teilen Europas auch die germanische Christianisierung bis in unsere Tage überlebte und inzwischen sogar in Island wieder zu einer staatlich anerkannten Religion geworden ist. Das Christentum brauchte lange Zeit, bis es die Spuren der heidnischen altgermanischen Religion beseitigt hatte. Doch alte Kulte sterben mühsam, gänzlich auszurotten sind sie fast nie, und so hat es im Norden seit dem Mittelalter immer wieder starke Bestrebungen gegeben, den Odinismus - teils christlich verbrämt, teils unverhüllt neuheidnisch - wiederaufblühen zu lassen.

Die Runen aber sind, zusammen mit den Erzählungen und Liedern der Edda, das Haupterbe der altgermanischen Kulturen geworden. Noch heute zeigen sie sich in der Balkenanordnung zahlreicher alter Fachwerkhäuser, noch heute künden Sprachrelikte von ihrer einstigen Bedeutung, so wie beispielsweise altgermanische Götter wie Donar und Freya noch in unseren Wochentagen "Donnerstag" und "Freitag" lebendig sind. Das alte Julfest wird in vielen Gegenden immer noch regelmäßig gefeiert, und selbst altgermanische Bräuche wie der Austausch von Geschenken haben sich im christlichen Weihnachtsfest erhalten.

Ein nüchterner Beobachter kann angesichts dieser Tatsachen nur zu dem Schluß gelangen, daß die alten Götter und ihre Kräfte ganz so tot wohl doch noch nicht sein können, auch wenn sie weitgehend aus unserem Bewußtsein verschwunden sein mögen. Sicher aber ist, daß die Runen nichts von ihrem alten Zauber eingebüßt haben - und ebensowenig von ihrer Macht. Denn wenn wir heute mit ihnen arbeiten, offenbaren sie uns immer wieder ihre Geheimnisse, selbst wenn es inmitten der Betonsilos und in der abgasverseuchten Luft unserer Städte geschieht. In diesem Sinne sind die Runen unsterblich, sind sie Verbindungstore zu einer Welt jenseits der gewöhnlichen Gesetze von Zeit und Raum, von Stirb und Werde, von Geburt, Tod und Wiedergeburt. Ihr göttlicher Ursprung ist mindestens insoweit "wahr", als sie zu etwas Größerem führen können als wir selbst es sind.

Zum Schluß noch ein Wort der Warnung:
Hüte Dich davor, Dein Runenerkenntnisse zu verabsolutieren. Was sonst geschehen kann, das haben uns zahllose "Runensekten" immer wieder vor Augen geführt: Antisemitismus, verlogene Deutschtümelei gekoppelt mit irrationalem Ausländerhaß, Kriegsgelüste und Suche nach "Lebensraum im Osten", Die Runen sind in dem Sinne "gefährlich", als sie vom Runenkundigen verlangen, daß er sich an ihre manchmal etwas herbe Energie langsam und behutsam aklimatisiert. Stelle Dir zur Veranschaulichung einmal vor, daß Du von heute auf morgen aus dem vergleichsweise milden Mitteleuropa in die Tropen versetzt würden. Selbst wenn Du alle Regeln beachten solltest, die durch eine solche Verpflanzung geboten sind (z.B. auf den Gebieten der Hygiene und der Ernährung, der Vermeidung übermäßiger Sonnenbestrahlung usw.), wird es einige Jahre dauern, bis sich Dein Organismus an die veränderten Bedingungen angepaßt hat. Deine innere, biologische Uhr ist eben nicht so schnell wie der Jet, der Dich ans Ziel gebracht hat. Und noch länger werden Sie in der Regel brauchen, bis Du die Dir bis dahin wahrscheinlich unvertraute Landessprache erlernt hattest und sie in allen Nuancen beherrschte. Ähnlich mit den Runen: Auch ihr Reich verlangt nach Gewöhnung, nach "Aklimatisierung", auch ihre Sprache will erst erlernt werden. Übe Dichdaher bitte ein wenig in Geduld und schlage nicht zu schnell über die Stränge. Vermeide es, in Deinen persönlichen Runenoffenbarungen mehr zu sehen als eben das, was sie sind: ganz persönliche Mitteilungen des Runenkosmos an Sie selbst. Wie das englische Sprichwort sagt: "Was für den einen Fleisch, ist für den anderen Gift." Es gibt eine unendliche Zahl persönlicher, individueller Wahrheiten, und es wäre fatal, die Runen dazu verwenden zu wollen, anderen Menschen mit ihrer Hilfe einmal mehr eine Wahrheit aufzuzwingen, die nicht die ihre ist. So etwas rächt sich immer bitter, es scheint fast so, als wohne den Runen ein innerer Zensur- und Reinigungsmechanismus inne, der solche Übertreibungen aufs Schlimmste ahndet. Das ist übrigens nicht dasselbe wie Moral oder Sündenkult, ganz im Gegenteil: Wovon wir hier sprechen, ist eine rein technische Eigenart des Runensystems, die weitab von allem liegt, was sich Menschen mit ihren provinziellen, kleinkarierten Moral- und Ethikbegriffen meist zusammenstümmeln. Wohl können die Runen zu Schadenszaubern verwendet werden, kann der Vitki oder Runenmeister mit ihnen ebenso töten wie heilen. In diesem Punkt sind sie so neutral, wie es nur eine Instanz sein kann, die sich wahrhaftig jenseits der menschlichen Vorstellungen von Gut und Böse befindet. Doch sobald er versuchen sollte, sich an ihrem System selbst zu vergreifen, es bewußt zu verfälschen und anderen seine Verfälschungen aufzuzwingen, scheinen sie Zerstörungskräfte zu aktivieren, die sich unerbittlich gegen ihn selbst wenden. Schamanisch gesprochen: Wer seine eigene Vision verrät, den wird sie töten.
Und wenn Du über diese Bemerkungen jetzt vielleicht noch ein bißchen spöttisch lächeln

Die Wahrheit wiegt meistens schwer.

Ilohexe ( gelöscht )
Beiträge:

16.04.2010 19:47
#2 RE: Runen antworten

Sei gegrüßt Lillith!

Ich selbst arbeite mit Runen, so wie andere Hexen mit Karten zu arbeiten pflegen. Wichtig ist die Resonanz, die man zu seinem Werkzeug hat, denn diese entscheidet, ob sich einem die Symbolik erschließt.
Runen aber lediglich als Mittel zur Devination zu reduzieren wird ihnen nicht gerecht. Das wäre wie einen Diamanten lediglich zum Fliesenschneiden zu benutzen. Runen sind eine magische Praxis für sich.
Gefährlich dabei ist, wie bei allen anderen magischen Praktiken generell, sich "gläubig" an einen Autoren zu hängen, der vom Ego verblendet meint, seine Erkenntnisse wären der Weisheit letzter Schluß. Deshalb ist es so schwierig die Runen jemanden individuell näher zu bringen, der an dieser Lehre interessiert ist.
Das Ego nämlich oder ratio "verbindet" dich nicht mit der Magie der Runen, sondern dein kindliches Selbst, das den Draht zum Höheren Selbst hat. Trotzdem halte ich es für wichtig, die Historie der Runen zu kennen und sich damit auseinander zu setzen. Es ist quasi die Einstimmung ins Thema, die dich zu den Runen hinführt.. Wenn du deiner Arbeit mit dem nötigen Respekt begenest, besteht kein Grund sich vor den Runen zu fürchten.

Lieben Gruß
Ilo

Linoma Offline




Beiträge: 1.500

16.04.2010 21:26
#3 RE: Runen antworten

Ich danke Dir für Deinen Beitrag Ilona,

was ich dort einstellte, ist nicht von mir selbst. Ich habe mich bisher zu wenig mit
dem Thema beschäftigt, sprich Du kannst gerne hier ergänzen,
wenn Du mehr Erfahrungswerte hast als ich.

Alles Liebe

Lilith

Die Wahrheit wiegt meistens schwer.

Linoma Offline




Beiträge: 1.500

18.04.2010 22:36
#4 RE: Runen antworten

Sehr ausführliches über Runenmagie unter :

http://www.hagdise.de/rune1/blatt03.htm

Die Wahrheit wiegt meistens schwer.

Linoma Offline




Beiträge: 1.500

19.04.2010 11:42
#5 RE: Runen antworten

Die Wahrheit wiegt meistens schwer.

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